Betrachendes – Gedichte

Erwacht

Erwacht
oder doch einen Tod gestorben
wer entscheidet
Aus der Freiheit
wieder in den Käfig gezwängt
oder den Klauen der Nacht entkommen
wer entscheidet
Frisch ausgeruht für neue Taten
oder doch müde vom Selbst sein
wer entscheidet
Nach Stunden des geruhsamen Alleinseins
wieder in der Welt der Kommunikation
oder umgekehrt
aus der Welt der möglichen Einsamkeit
in die der realen
wer entscheidet

Aus der Schule in die Schule
aus der Fadesse in die Langeweile
aus dem Abenteuer ins Vergnügen
aus der Lektion in die nächste
wer entscheidet

Aus dem Spaß der Sucht
in die logische Antwort der Bezahlung
oder in den Garten der Früchte
der gestern gepflanzten Bäume

In die nächste Strophe deines Sklavengesangs
oder eine neue intensive Probe deiner Sinfonie

Bereit zum Reigen deiner Abhängigkeiten
oder berauscht von der Fülle deiner Möglichkeiten

Freudig erregt und gespannt
wie sich die Welt heute präsentieren wird
oder angewidert von der unausweichlichen Routine
der täglichen Nichtigkeiten

Ein weiteres Stück im Misthaufen deiner Erinnerung
oder ein neuer Baustein deines Hauses

Ein dumpfes Abspulen zum Rhythmus
der tickenden Uhr
oder ein aufregendes Spiel
mit Chronos und Chairos

Eine Bühne für das lustvolle Stöhnen des Versagens
oder die Chance zum Wühlen im Geschenkkorb deiner Gaben

Frischer Wind im Segel
oder ein neues Glied in der Ankerkette

Ein Labyrinth
Eine Schatzsuche
Eine Illusion

Wer entscheidet das schon


Was wäre wenn

es dich nicht gäbe

Wen gäbe es dann
Wer sollte deinen Platz in der Welt einnehmen
und ja, welche Eigenschaften sollte er denn haben

Aber selbst wenn du tauschen könntest
wäre der Vorgang zwar möglich
aber das Ergebnis verfälscht

Er…..würde nämlich
in einem ganz anderen Universum leben
als du

Man müsste also schon das gesamte Setup tauschen
Eine schwierige Angelegenheit
so sagt man

Oder anders ……
Das Universum könnte nicht existieren ohne dich
ein Baustein würde fehlen
es wäre ohne dich einfach nicht vollkommen

Quod erad demonstrandum
Du bist da wo du hingehörst
mit allem Drum und Dran

Alles andere ist Selbstbetrug


Mein Kind

Ich möchte dir zeigen mein Kind
wie es ist

mit den Augen zu strahlen und zu staunen
wie ein Blatt im Wind zu sein
wie ein Vogel zu schweben
wie eine Blume die zur Sonne tanzt

Wenn
du dein Lächeln im vis a vis erkennst
das Echo deiner Liebe dich umfängt
du aufwachst und dir ein Stück näher bist
du stehst und trotzdem gehst

Vom Nehmer zum Geber zu werden
den Stolz für die Demut einzutauschen
vor Dankbarkeit zu lachen und zu weinen
ein Ziel zu haben und es zu vergessen

Gegen den Strom zu rennen und zu jauchzen
vor lauter Hingabe dich selbst zu vergessen
in deinem Universum die Mitte zu sein
wie ein Stern zu glühen

Kein morgen zu kennen
dich vom Leben streicheln zu lassen
nicht mehr zu suchen nur zu finden
und einfach an dich selbst zu glauben

So oder so


Eines Morgens

Die Trümmer der Illusion lagen vor mir
in tausend Scherben
Die Ordnung machte sich daran
den Dreck wegzuräumen

Das Chaos mit Wehmut ans Fenster ging
um mir den Rücken zu zeigen
verbergend die Gefühle des Abschiedsschmerzes

Die Disziplin wieder entstand
bereit für ein neues Gastspiel
quasi in einem anderen Gewand
eine Rolle zu übernehmen

Der Verlust beweinte mit dem Willen
die Krise der Verwirrung
um dann mit den Süchten
ein aufregendes Spiel zu beginnen

Die Demut und die Dankbarkeit
sie probten schon
seit längerer Zeit im Untergrund
mit Hingabe der Sache zu dienen

Das Wissen sich zu erkennen gab
mehr Nahrung forderte
um besser lachen zu können
Die Neugier und der Gleichmut
versuchten sich mit ein paar Tanzschritten
aneinander zu gewöhnen

Die Erinnerung machte sich auf den Weg
um Kreativität und Tatkraft
aus der Wüste zu holen

Die Leidenschaft befreite sich aus den Fesseln des Zieles
Der Tag sprang aus dem Kostüm der Stunden
Die Sinne schärften mit Rätsel ihren Verstand
Die Eingebung bezwang ihre Sehnsucht nach der Fremde

Die Angst einigte sich mit den Träumen
auf ein Spiegelbild der kleinen Schritte
Die Unsicherheit freute sich
auf aufregende Zeiten

Die Vorstellung verließ
die Bretter der Kleinbühne
um sich mit ihren Grenzen
zu betrinken

Ich verließ das Haus
um für eine Weile frische Luft zu schnappen


Der Sphinx

Dem Fels entwunden 
zu erhabener Mächtigkeit
vor langer Zeit
Niemand weiß wann
und schon gar nicht von wem

Tausende, Millionen von uns
hat er beeindruckt
dieser Bote längst vergangener Tage
Mit seinem Schweigen
das durch nichts unterbrochen wird

Er liegt da, regungslos
und seine uralten Augen
sehen uns geduldig an
Mit seiner stillen Größe
stellt er uns Fragen
auf die wir keine Antwort wissen

Oder aber er gibt uns Antworten
für die wir keine Fragen haben
an die wir gar nicht denken
weil es noch nicht soweit ist

Er hat allen Experten getrotzt
mit ihren vielen Erklärungen
die einfach nicht wissen
warum er überhaupt gebaut wurde

Viele haben ihn untersucht
viele werden es weiter tun
weil er an seinem Platz bleibt
wo er vor Jahrtausenden entstanden ist
und uns weiter ansehen

Und wir werden ihn
nach wie vor betrachten
voller Bewunderung für die Erbauer
mit den gleichen ungläubigen Blicken
und der Unruhe in unseren Herzen

Aber vielleicht eines fernen Tages
wird er sein Schweigen beenden
und zu uns sprechen
In einer Sprache, auf eine Weise
die wir heute nicht verstehen können

Und vielleicht werden dann auch
all unsere Fragen verstummen
die wir seit Aeonen an ihn haben

Gesinnung

Ein jeder weiß 
daß die Dinge sich verändern
und natürlich
auch oft die Menschen

Aber kann es nicht auch sein
daß Dinge und Menschen
anders auf uns wirken
je nachdem
in welcher Gesinnung
wir ihnen begegnen

Ob mit Zornesfalten
mit Neid und mit Hass
oder doch
mit einem freundlichen Blick
der aus liebenden Herzen kommt

Erfolg

Berechnet der Erfolg 
auch seinen Preis
und die Energie die er gekostet
Oder auch nur
all die Tränen
die für ihn geweint

Glück

Willst du glücklich sein 
so wie viele andere auch
die dir jeden Tag begegnen
und von denen du meinst
dass sie es sind

Dann schau doch genauer hin
was sie alles dazu brauchen
Auf ihre aufgesetzten Masken
die dir leblos entgegen starren
und auf ihr nervöses Getue
wenn sie dir erzählen
wie ach so glücklich sie nicht wären

Hör gut hin
was dein Herz dazu sagt
was es denn brauchen würden
um glücklich zu sein

Und ob denn Glück
nicht auch möglich wäre
wenn man vor allem
seiner inneren Stimme folgt

Gedanken

Wann immer ich einem Kind 
unterwegs begegne
sagen wir einen kleinen Buben
passiert es oft
daß mir gar viele Gedanken kommen

Dann denke ich daran
ob er eine schöne Kindheit hat
wie seine Eltern zu ihm sind
und wieviel Zeit sie für ihn haben
Ob sie ihm auch die Liebe geben
die doch jedes Kind verdient

Von was träumt er wohl
und hat er schon eigene Ideen
oder gar Pläne fürs Leben
Was will er einmal machen
und welchen Beruf will er ergreifen
wenn er das überhaupt jetzt schon weiß

Hat er auch genug Zeit für sich
kann er sich im Spiel beweisen
und da fürs Leben lernen
Bekommt er auch die Bücher
die ihn interessieren
die er für seine Bildung braucht

Jemand der ihm zuhört
wenn er reden will
und hat er auch genug Freunde
mit denen er herumtoben kann

Welche Erfahrungen hat er schon gemacht
seine Fertigkeit erproben können
Erfolge gehabt, Probleme gelöst
ebenso Niederlagen verdaut
Und ob er auch gelernt hat
sich selber zu vertrauen

Und ja, ob er auch all das
ins Leben mitnimmt
und später als Erwachsener
hoffentlich nie vergisst
doch auch wieder ein Kind zu sein

Schönheit

Wahre Schönheit 
sieht man nicht von außen
sie ist in deinem Wesen

Es ist die Art wie du denkst
auf welche Weise du fühlst
und wie du anderen begegnest
Es ist die Musik die du hörst
die Bücher die du liest
und wie du die Welt betrachtest

Es ist dein Zugang
zu den Dingen des Alltags
und dem was du gerade tust
Es ist die leise Heiterkeit in dir
und das Vertrauen in dich selbst
das Richtige zu tun

Es ist das nicht zuviel erwarten
das einen Schritt zurücktreten
um besser sehen zu können
Es ist die ungeteilte Aufmerksamkeit
die du allem schenkst
was dir begegnet

Es ist das empfänglich sein
für Neues, Unbekanntes
so fremd es auch sein mag
Es ist das Gehen
in bedächtigen Schritten
mit wachen Sinnen und offenen Herzen

Es ist auch deine Sicherheit
nichts nachholen zu müssen
nichts zu versäumen
sondern einfach zu Sein

Worte

Worte, Gedanken 
das Denken an sich
das alles erklären will
und gleichzeitig
den Zauber daran zerstört

Jedes Wort
eine Besprechung
der Vergangenheit
nie im hier und jetzt

Ein Gezeter
aus dem Kopf heraus
die Wahrheit vernebelnd
auf der Flucht vor dem Selbst

Das stumm und geduldig
liebend und führend
darauf wartet
auch einmal gehört zu werden

Zeit spielt keine Rolle
irgendwann vielleicht

Alt und jung

Wie schön wäre es doch  
alt und jung zugleich zu sein
mit allen Vorteilen und Vorzügen
die das für uns hätte

Jung, mit der großen Begeisterung die nicht warten kann
Alt, es nicht mehr eilig zu haben
Alt, mit gelassenen Augen die Dinge wahrzunehmen
und stets aufs neue Wunder zu entdecken
Jung, in der kindlichen Freude daran

Jung, im sicheren Erreichen von Zielen
Alt, auch darauf warten zu können
Jung, im Erleben einer großen Freiheit
Alt, um sie mit heiteren Abstand zu betrachten

Alt, in der Geduld und Ausdauer im Tun
Jung, in der freudigen Hingabe dabei
Jung, mit immer wieder neuen Ideen
Alt, in deren reiflichen Abwägung

Jung, mit immer neuen Fragen
die man beantwortet haben will
Alt, keine mehr zu haben
Jung, im brennenden Begehren
nach Wissen und Einsicht
Alt, im beschaulichen Ruhen
in der Einfachheit

Jung, im Erkennen eines möglichen Weges
Alt, in der Überzeugung
genau am richtigen zu sein

Dein Leben

Triffst du die Entscheidungen 
oder treffen sie dich
Ordnest du die Dinge
oder ordnen sie dich

Lebst du dein Leben
oder lebt es dich

Leid

Wieviel Leid doch 
im Namen der Liebe geschieht
Und wieviele Tränen werden geweint
wenn wir sie nicht mehr fühlen
oder glauben
so gar nicht geliebt zu werden

Wenn es schwerfällt
an uns selber glauben zu können
an das was wir tun oder denken
und keine Bestätigung mehr finden
egal von woher oder von wem
Etwas das für uns alle
doch sehr, sehr wichtig ist

Wenn wir den
einmal so geliebten Partner
überhaupt nicht verstehen
er uns wie ein Fremder vorkommt
wir seine Liebe nicht mehr spüren
und die Zuneigung in Hass umschlägt
Bis die große Leere
uns ganz erfasst

Wenn wir dann
auch selbst damit beginnen
anderen weh zu tun
aggressiv zu behandeln
oder auch zu beleidigen
Dann sind wir doch
weit von dem entfernt
was unser wahres Wesen
eigentlich ausmacht

Denn wir sind Menschen
die lieben können
unseren Nächsten und uns selbst
Und diese Bereitschaft zur Liebe
sollte uns nie verlassen
egal was auch geschehen mag

Sie ist das Beste in uns
dieses schönste aller Gefühle
und braucht auch kein Gegenüber
Weil wenn sie einmal
in uns gewachsen und aufgeblüht
für alle da ist
und treu bei uns bleibt
solange wir es wollen

Herzensworte

Kommen die Worte 
die du sprichst
auch aus deinem Herzen

Oder gibst du nur Gedanken wieder
über das was du gestern gesehen
gelesen oder gehört
Über all die Dinge
auf die du dir keinen Reim machst
und die vielen Fragen die dich quälen

Redest du so
tagein und tagaus
mit deiner Familie
Freunden und Bekannten

Und fühlst dich
nicht wirklich wohl dabei
unglücklich sogar
und das vielleicht schon lange

Dann besinne dich doch
auf die, anfangs noch leise
Stimme deines Herzens
so oft es dir möglich ist
Und überlege dir gut
wie es denn sprechen würde

Deine einzige Aufgabe
ist dann nur mehr
seine Sprache in Worte zu fassen
so gut du eben kannst

Und dich dabei
mit der Zeit
sicher viel wohler zu fühlen

Das Altern

An was mag es wohl liegen 
daß viele Menschen im Alter
ihren Elan, ihre Jugendlichkeit
ja auch ihre Schönheit behalten
Egal wieviele Falten zu sehen sind

Wie machen sie das nur
nach einem doch langen Leben
derartig gut, frisch, natürlich
und beneidenswert auszusehen

Oder anders gesagt
Was könnte man tun
und was besser nicht
um im Alter
ein Aussehen, eine Ausstrahlung zu haben
mit der wir dann auch zufrieden sind

Reich und arm

Haben wir möglicherweise 
heute zuviel
in all diesem Reichtum
und einem Lebensstandard
den es so noch nie gegeben hat

Wünschen wir uns zuviel
wollen wir zuviel
und was wollen wir überhaupt
im Leben

Eine gewisse Ratlosigkeit
die allgemein festzustellen ist
Für die es aber eine Unzahl
von Ärzten und Berater gibt
die auch viel Geld dafür verlangen

So gut geht es uns also

Vielleicht sollten wir uns
ein Beispiel nehmen, bei denen
die in Armut leben rund um die Welt
Die keine Berater haben
und ihr Leben einfach so nehmen müssen
wie es nun mal ist

Aber oft eine Lebensfreude ausstrahlen
um die man sie beneiden könnte

Wahrheiten

Erst gibt es so viele Wahrheiten 
wie es Menschen gibt
Dann gibt es die Wahrheiten
die für viele gleich sind

Und dann gibt es, so wie Weise sagen
die absolute Wahrheit
Wobei aber niemand so genau weiß
ob sie das dann auch ist

Leere

Hohle Worte 
die nur von den Lippen kommen
und dünne Phrasen
die aufs Denken verzichten
ergeben im Angesprochenen
immer eine gewisse Leere

Der sich dann mit dem Verstehen
meist gar nicht mehr
abgeben will

In der Erinnerung

Kennst du sie auch 
diese kreative Erinnerung
die aus einem langweiligen Abend
ein rauschendes Fest macht

Aus jeder kleinen Liebelei
eine tiefgehende Lovestory
Aus dem immer gleichen Berufsalltag
einen Held der Arbeit
Aus einem verpatzten Urlaub
eine Erinnerung fürs Leben
Aus einem kleinen Wortgefecht
einen handfesten Streit

So oder so ähnlich
wird sie dir doch sicher
schon begegnet sein
bei anderen aber auch bei dir
Diese kleine Unschärfe
mit der wir Vergangenes zurechtbiegen

Um wenigstens in der Erinnerung
etwas Großartiges erlebt zu haben

Garderobe

Wenn man sich so umsieht 
ist es den Leuten zunehmend egal
welche Kleidung man trägt

Doch das war nicht immer so
da sagte man „ Kleider machen Leute „

Das kann aber nur heißen
das uns heute unsere Mitmenschen
so wie sie nun mal sind
viel wichtiger geworden sind

Jedenfalls viel mehr
als die Garderobe
die sie gerade anhaben

Das Glück

Das Glück 
ist wie ein Vogel
Es singt für dich nur
wenn du auch zuhören kannst

Die Gegenwart

Ist die Vergangenheit zu bedauern 
wenn man sie
nicht mehr ändern kann

Unsere Gegenwart den Kummer wert
den am mitschleppt
in jeden kostbaren Augenblick
der kommt

Und wie soll die Zukunft
eine gute werden
wenn man sich heute schon ständig
die Sorgen von morgen macht

Die Kunst

Sie ist wohl unerreicht
die Schönheit der Natur
der wohl größten Künstlerin von allen
Aber gibt es auch eine
die uns Menschen gehört

Ist es doch die Architektur
die Musik, die Literatur
und die bildende Kunst im allgemeinen
Aus allen Epochen unserer langen Reise
die wir weltweit bewundern können

Geschaffen von Meistern
die in diesen Werken ihre eigene Schönheit
für uns alle in die Welt gebracht haben
Ohne die wir doch richtig arm wären

Wir können zurecht stolz darauf sein
Sollten dabei aber nicht vergessen
diesen großen Menschen
in stillem Gedenken
vielleicht auch einmal
danke zu sagen

Erniedrigung

Es gibt gar nicht wenige Leute 
die ihre Mitmenschen
bei jeder sich bietenden Gelegenheit
erniedrigen
In welcher Form auch immer

Sie übersehen
aber völlig die Tatsache
daß, bei genauerer Betrachtung
nur sie selbst es sind
die sich dabei erniedrigen

Makro-Mikro

Das Universum 
so groß es auch sein mag
befindet sich in absoluten Gleichgewicht

Egal wie es für uns auch aussieht
es ist gesamt gesehen
harmonisch und vollkommen
Zumindest sagt man das

Und wir
die wir alle kleine Universen sind ?

Sollten wir uns da nicht
beim großen Vorbild ein Beispiel nehmen
und dieses Gleichgewicht, diese Harmonie
auch in uns anstreben

Unsere Sorgen

Wir alle haben unsere Sorgen 
öfter Probleme, vielleicht auch Krankheiten
unsere Trauer und unsere Schmerzen
unter denen wir mitunter leiden

Aber kennen wir auch die der anderen
uns völlig Fremden
die uns auf der Straße begegnen

Ich denke mir das oft
daß ich gar nicht wissen kann
was die Leute, die ich unterwegs so sehe
alles bewältigen und leisten müssen
um in ihrem Alltag
so halbwegs über die Runden zu kommen

Beginnen

So viel 
und doch nichts im Kopf
Den Willen etwas zu tun
aber die Frage danach
das was, das wie
vielleicht das auch warum

Eine Blockade, ein Stein
der auf dem Willen liegt
und die Freiheit
zu einem Gefängnis werden lässt

Zu tun aus reiner Freude
mal etwas beginnen
ohne an das Ergebnis zu denken
Diese Kunst des Handelns
ganz aus sich selbst heraus
ganz ohne dem wofür oder warum
aber auch dem wieso oder wozu

Das ist es
was es zu lernen gilt
und einfach anzufangen

Ludwig

Beethoven 
oft genannt der Titan
in der ganzen Welt berühmt
Gespielt von allen Orchestern
mit Zuhörern die begeistert applaudieren
wenn eines seiner Konzerte verklungen ist

Doch was hören sie da
in dieser großartigen Musik
Hören sie auch Ludwig
den Menschen hinter dem Titan
der viel früher taub wurde
als allgemein überliefert

Hören sie auch
in seinen langsameren, leisen Passagen
zu welchen Gefühlen er fähig war
Er der meist
als polternder Geist bekannt
Hören sie auch die Verzweiflung
in der er war, als er erkannte
nie wieder normal hören zu können

Was hat er gemacht
er der so oft die Wohnungen wechselte
weil er so laut proben musste
und dabei die Nachbarn störte
Was hat er gemacht
im schmerzvollen Ringen mit seinem Schicksal
dem wohl schlimmsten für einen Musiker

Er hat weiter gemacht
hat Musik komponiert
so schwer es für ihn auch war
und hat Klavier gespielt
besser als jeder andere zu seiner Zeit

Hat große Konzerte gegeben
seine Werke aufgeführt
und auch selbst dirigiert
All das mit dem Rest seines Hörsinns
der ihm noch geblieben war

Und warum hat er es gemacht
obwohl er ob seiner Beeinträchtigung
doch verzweifelt war
Weil er der Welt etwas geben wollte
etwas das ihn im Innersten bewegte
und er genau fühlte
daß die Musik seine Sprache war
Eine die alle verstehen
wenn sie nur zuhören können

Was wäre die Welt ohne seine Musik

Ich denke da wie viele
an seine grandiosen Sinfonien
wie etwa die Pastorale
ein große Hymne an die Natur
oder die berühmte Eroica
mit ihrem fordernden zweiten Satz

Und dann die unerreichte Neunte
Eine intonierte Erinnerung
an die Menschheit
eine Erhebung in die feinsten Gefilde
ein Beispiel
was Zusammenarbeit von Künstlern
zu leisten imstande ist

Eine Ode die kein nachher verträgt
ein Meisterwerk
nachdem man nach Hause gehen sollte
in stillen Gedenken
an diesen großen Menschen

Und warum schreibe ich diese Zeilen
während ich seine wunderbare Musik höre
Weil ich ihm danke sagen will
und das meine ich sehr ernst
für alles was er für uns geschaffen hat
Stellvertretend für alle
denen das noch nicht eingefallen ist

Sehnsucht

Lass eine Sehnsucht 
die du hast ganz groß, stark
und fordernd werden
Um sie im nächsten Augenblick
wie ein Kartenhaus einzustürzen

Und fühle dann in dir
ob du dich
nicht ein bisschen freier fühlst

Was siehst du

wenn du Menschen triffst

Dummköpfe die keine Ahnung haben
oder Barbaren die sich nicht zu benehmen wissen
Verschiedene Entwürfe der selben Idee
oder Liebende die dir aus ganzen Herzen zulächeln

Eine Masse von Individuen die dir teilnahmslos gegenüberstehen
oder Feinde die dich umzingelt haben und dir ans Leder wollen
Hindernisse auf dem Weg deiner Entfaltung
Mitkämpfer für eine bessere Welt

Junggebliebene Kinder die den Prozess
des Altwerdens gelassen zur Kenntnis nehmen
Wanderer auf selbstbestimmten Wegen
Gefangene ihrer Sehnsüchte und Gefühle
Mitläufer ohne eigenen Willen

Tänzer des Seins
Künstler jeder auf seine Art
Engel die ihre Heimkehr vorbereiten
Sterne in der Schule des Leuchtens

Ja, und was, was genau siehst du
wenn du an dich selber denkst

Der Preis

Kennt der Preis auch die 
die ihn nicht bezahlen können
weil sie eben zu arm sind
Oder doch nur jene
die ihn fordern
und damit großen Profit machen

Hier und Jetzt

Man sollte nichts 
in der Vergangenheit bedauern
Schließlich können wir uns
ihr nicht mehr entziehen
oder daran etwas ändern

Wir können auch alle nicht wissen
was uns kommende Zeiten bringen
da es da viele Faktoren gibt
Niemand kann das
und es lohnt nicht wirklich
sich die Sorgen von morgen zu machen

Wir haben aber die Gegenwart
das Hier und Jetzt
Um zurückzuschauen, zu überblicken
und zu beurteilen
So ehrlich und neutral wie möglich

Sodaß zumindest wir selbst
in der Zukunft
so leben und handeln
wie wir das aus der Vergangenheit
und aus unserer Geschichte
vielleicht gelernt haben

Alltag

Wenn ich im Alltag unterwegs bin 
sehe ich die verschiedensten Menschen
die zueinander freundlich sind
die reden, zuhören und oft auch lachen

Gar nicht selten wird auch mir
ein Lächeln geschenkt
das ich dann gern erwidere
Vor allem von den spielenden Kindern
die immer mein Herz erfreuen

Und dann die hohen Bäume
die vielen Sträucher
und die herrlichen Blumen
am Wegesrand die ich
wenn ich kann, auch länger betrachte
Weil sie Schönheit bringen
in den Tag

Ja es ist Alltag ich weiß
und oft auch beschwerlich
Aber nicht immer derselbe Trott
belanglos oder verlorene Zeit

Weil ich ihn voll bejahe
und weil er einfach dazu gehört

Schweigen

Über vieles
kann man nur schweigen
in Worten und Gedanken

Und über vieles
lohnt es sich einfach nicht
zu reden

Das innere Kind

Gar mancher von uns
denkt hin und wieder mit Wehmut
an die vergangenen Tage der Kindheit

Da kann es schon sein
daß wir da auch
unser inneres Kind spüren
das hier leise sein Recht fordert

Und uns sanft dazu ermutigt
doch fröhlich zu sein
doch wieder zu staunen
und die Dinge, die Menschen, die Welt
auch jetzt noch
mit seinen heiteren Augen zu sehen

Unser Wohlstand

Denken wir kurz einmal nach 
wie lange es unseren Komfort
in den reichen Industrieländern schon gibt
Vom Haushalt bis zu den Transportmöglichkeiten
in allen täglichen Details

Und dann erinnern wir uns
so wir das wissen oder gelesen haben
an all unsere Vorfahren
ganz egal in welcher Zeit

Wie haben denn die ihr Leben bewältigt
Bitte sich das einmal vorzustellen
etwa im kalten Winter
in allen täglichen Details

Und deshalb sollten wir hin und wieder
daran denken in welchem Wohlstand
wir eigentlich leben und nicht vergessen
auch ein wenig dankbar zu sein

Künstler

Ein Künstler
der mit voller Leidenschaft
seiner Arbeit nachgeht
wird in dieser Zeit ebenso schön
wie das Werk selbst
Weil es seine Idee
und sein Schaffen ist

Aber auch der Betrachter
der Hörer und der Leser
der sich dieser Kunst hingibt
Und sie auch
gebührend zu schätzen weiß

Einsicht

Kein König hat jemals so geprasst 
wie ich das tue
Noch nie war der Tisch so reich gedeckt
wie in meinem Haus

Ich esse
verschiedene asiatische Gerichte
Gebäck in vielen Sorten, allerlei tropische Früchte
italienischen Schinken, spanische Orangen
Datteln aus Arabien, Bananen aus Übersee
Lachs aus dem hohen Norden
und vieles vieles mehr
mit dem ich meinen Gaumen erfreue

Das alles gibts nicht weit von mir
gleich um die Ecke
und günstig noch dazu
Den Herrscher der Vergangenheit
möchte ich sehen
dem es derart leicht gefallen ist
seine Gäste so reich zu bewirten

Kein Salomo oder Kleopatra
keiner der römischen Kaiser
oder französischen Könige
Kein Scheich oder Maharadscha
so mächtig sie auch waren
konnte das

Und diesen Luxus gibt es für alle
das ist ja das Beste
Leicht erreichbar im nächsten Supermarkt
beim täglichen Einkauf
und das jederzeit
Ich preise mich glücklich
in einem derartigen Reichtum zu leben
den es so noch nie gegeben hat

Aber manchmal frage ich mich
Ist das denn fair
Während wir hier Lebensmittel
im Überfluss haben
und vieles davon einfach wegwerfen
müssen Millionen auf der Welt hungern
Ist das denn fair

Mitfreuen

Erfreue dich einmal 
an der Freude der anderen
und höre für einen Moment auf
an deine Sorgen zu denken

Stimme ein in ihr Lachen
aus vollem Herzen
und sieh dann zu
wie gut dir das tut