Freies – Gedichte

Der Wolf

Er ist alt
er ist schwach
es schmerzen die Glieder
und jeder Schritt tut ihm weh

Er ist einsam
weit weg von den anderen
von ihnen verlassen
so wie das Gesetz es will
Und ganz auf sich allein gestellt

Er ist der alte Wolf
dereinst ihr Führer
der sie leitete
aber er musste gehen
weil im Rudel kein Platz für zwei

Er hat nur mehr seinen Körper
der alt und verbraucht
und seine Weisheit
aus vergangenen Tagen
Das ist alles was ihm bleibt

Jetzt jagt er für sich, ganz allein
so schwer es ihm auch fällt
da er behäbig, langsam
und die Beute schnell

Aber eines Tages, irgendwann
wird er heimgehen können
in seine Jagdgründe
von denen er immer träumt
Und all die Schmerzen
nicht mehr spüren


Grande

Was tun Giganten
zu ihrem Trost
wenn ihre geweinten Tränen
niemand stillt
außer der gewaltige Magnet
ihrer inneren Kraft

Mit wem reden sie
sie, die kein Gegenüber haben
in den Himmeln
wo die Götter schweigen
In den Momenten in denen sie
an sich selbst nicht mehr glauben

Wenn die Pfeile verschossen
der sonst zielsichere Kompass
sich im Kreise dreht
und der lautlose Taktgeber
ihrer feinen Schwingung
einen längeren Halt macht
wie um seinem eigenen Echo
zu lauschen

Wenn die Segel ihrer Leidenschaft
sonst stolz gebläht
schlaff herabhängen
in der stillen Flaute
des kosmischen Sturms

Ihr Sternenlicht zu flackern scheint
und Schatten des Haders auf die
plötzlich entstandenen Mauern wirft
die schon gesprengt schienen

Die Liebe zu versiegen beginnt
die sie in und um sich spüren
und nagende Zweifel
die Festung ihres Hauses berennen

Was machen sie dann
sie die gekrönt
wenn sie müde vom tun
und auch müde vom siegen

Sie machen einfach mal
eine kurze Pause


Komet

Allein
ruhend, rasend
zur selben Zeit
Nacht oder Tag
kein Unterschied
und keine Grenzen

Keine Gedanken
oder Gefühle
keine Sehnsucht
keine Träume
nicht Stolz
und nicht Demut

Gleich Berg und gleich Tal
gleich Ozean als auch Ufer
ohne Heimat
und immer am Ziel

Der Weg der du bist
eine ewige Reise
den Anfang vergessen
das Ende noch fern

Unterwegs in unendlichen Weiten
nichts das die Stille unterbricht
vereint mit dem Kosmos
und seinen Myriaden von Sternen

Aber du Uferloser
wunschlos, selbstgenügend
in der dauernden Gegenwart
deines Seins


Das Karussell

Besteige das Karussell
deiner Wünsche, Begierden
und Abhängigkeiten
Dreh dich im Kreis
solange du willst
und geniesse die Fahrt

Vergiss aber dann nicht
am Ausgang zu bezahlen

Tanz

Immer ein Anfang
immer ein Ende
die Füße oft im Feuer
oft kraftlos, oft still
da jede Bewegung schmerzt
und doch immer weiter

Vergangenheit, Zukunft
ein Geflecht aus Lügen
aus Wahrheit, aus Illusion
aus der Realität
die immer anders
und doch immer gleich

Deine Augen, dein Herz
geteilt in Liebe
und dem Gegenteil
in Anteilnahme
und großer Gleichgültigkeit

Eine Spaltung die keine ist
Ein Versuch ein Leben zu leben
aus dem Grab in dem du bist
einen Garten zu machen
Ein Tanz, ein Ritual
voller Schmerzen
in Eleganz und Schönheit

Den Tod zu leben
das Leben zu sterben
mit allem
was du bist

Rauch

Jeden Morgen dasselbe  
Ich atme tief durch und spüre
die Reinheit und die Erholung
die ich meinen Bronchien gönne
während ich schlafe

Aber der kleine Tyrann des blauen Dunstes
startet sofort und heftig
sein Bombardement der kleinen Stiche

Dabei wäre es so leicht
ihm Herr zu werden
Ich habe mir das so oft schon bewiesen

Spätestens nach einer Stunde
kommt er zu seinem Recht
und grunzt befriedigt

Während der Rest der Mannschaft
sich von der kurzen Brise des Willens erholt
und seufzend ins Bergwerk geht

Kampf abgesagt
vielleicht morgen
Alles wie gehabt

Feuer

Wenn kein Feuer mehr da ist 
das Wollen erloschen
die Freude verglüht
dann wirst du ein Stein

Oft den Wunsch gehabt
einer zu sein und doch
so etwas wie leben
mit Gefühlen wie Freude
Trauer und auch Liebe

Doch ist es nicht besser
ein Stein zu sein
sich Gefühle leisten zu können
ohne ihnen ausgeliefert zu sein

Zu wissen diese Schale
diese Festung zu haben
bereit für jede Schlacht
die kommen mag

Dein Körper, dein Geist
Werkzeuge deines Willens
erprobt in tausend Kämpfen
mit dir selbst
und den täglichen Nichtigkeiten

Und doch
wenn das Feuer nicht da ist
wenn jeder Sinn dir fehlt
weil du schon alles gesehen
und den Rest auf eine Art
zu berechnen weißt

Wenn es weder für noch gegen
etwas zu tun gibt
Wenn in dir alles erreicht
diese Welt ein offenes Buch
und das Rätsel der Sphinx
eine langweilige Sache

Dann, ja dann gilt es
vorsichtig zu sein

Suche

Was habe ich alles gesucht 
sehr lange, viele Jahre lang
ohne Unterlass
vergeblich

Und schließlich, endlich, endlich
habe ich die Welt gefunden

Reich mir die Hand

Reich mir die Hand 
mein Leben
und prüfe mich bitte
nicht zu viel
Bin ich dir doch ganz ergeben

Dein Geheimnis
was morgen wird sein
wie auch immer
Und nur vielleicht eine Freude
was ich morgen werde tun

Jeder Gedanke, jedes Wort
jede Tat und jede Begegnung
Das ist mein Weg
den mir niemand abnimmt
den allein ich mit dir beschreiten darf

Ach leite
und führe mich doch auch
in meine verborgenen
meine feinen Gefilde
die ich nur erahnen kann

Und darum mein Leben
reich mir die Hand
Weil ich es bin
und du
du bist mein Leben

Fragen

Lebt dich das Leben 
fühlt dich das Gefühl
denkt dich der Gedanke
hat deine Sehnsucht ein Ziel

Hasst dich der Hass
ist oft Rache vergeblich
hat dein Meer auch ein Ufer
hofft die Hoffnung auf dich

Ordnet dich denn die Ordnung
hat deine Fremde ein Zuhause
erfreut sich an dir die Schönheit
gönnst du deiner Reise auch eine Pause

Macht dich die Ohnmacht
trauert die Trauer mit dir
spürt dein Herz auch dein ringen
kennt deine Freude auch das Wir

Tanzt dich der Tanz
kennst du die Ketten der Triebe
den Schmerz der dauert
Und wen
wenn nicht dich liebt die Liebe

Opus

Gönne deiner Rastlosigkeit
doch eine kleine Pause
Erzähle deiner Geschwätzigkeit
schöne Geschichten vom Zuhören

Feuere deine Willensschwäche an
daß sie sich für dich ins Zeug legt
Zeige deiner Ziellosigkeit
doch einmal wo es lang geht

Überspringe mit deinen Hemmungen
die Zäune deiner engen Grenzen
Gib deinen Fragen Rätsel auf
die sie auch beantworten können

Halte deinen Egoismus davon ab
immer nur an sich selbst zu denken
Leihe deinen Schwächen die Kraft
um sich von dir verabschieden zu können

Lege deine Faulheit doch nieder
so daß sie dich nicht beim arbeiten stört
Warte mit deiner Ungeduld darauf
bis sie sich wieder beruhigt hat

Gib deinen Zweifeln die Sicherheit
sie nicht ernst zu nehmen

Und schließlich nach alledem
Schenk deinem Herzen ein Lächeln
damit es weiß
daß es dir wieder besser geht

Versuch

Versucht
die Worte durch Sein zu ersetzen
Daß es einen Weg gibt
der jenseits des Gesagten
weit ab der Symbole
der Weisheit, der Gelehrten
und des Verstandes ist

Gewagt
den Büchern zu trotzen
an sie glaubend ja
weil sie vorhanden
wie so vieles
auf das dein Auge fiel

Gehört
die Musik zwischen den Worten
den Schrei der Stille
die Stimme deines Selbst
das stumm zu dir spricht

Gefühlt
diese Wahrheit in dir
die so unbeschreiblich
so geheim, jenseits allem
und doch für dich so klar
wie ein Sonnenstrahl

Im Theater

Das Leben ist doch nur Theater 
sagen die Leute
Es kommt nur darauf an
welche Karte
du am Eingang gelöst hast

Manche vergessen sich aber auch
und beginnen im traurigsten Stück
aus vollem Herzen zu lachen

Volvo

Fließe fließe Funken springe 
blaubehelmtes Elektron
aus verkupfter Hydra züngle
reibender Mächte strahlender Sohn

Walle walle Zorn der Floren
erdgepresst und höllgebraut
ölige Frucht vergangener Zeiten
toterwachter Klagelaut

Rauschet rauschet Boreas Erben
auf ozonbeschwingtem Ross
Schwert gezückt ins Exploderben
tief in des Zylinders Schoß

Düse düse eherner Drache
pneubeprankt und lackgestählt
fühl die Elemente, erwache
ganz von ihrer Kraft beseelt

Befreie dich aus der Lücke Enge
bremsenthemmt mit Ferralfas Ton
fauchend auf der ganzen Länge
und brause dahin
in deinem rußigen Fron

Weckruf

Sollte die Welt aufgehört haben 
sich zu drehen
Der Tag die Stunden gesprengt
die Nacht den Tag verspeist

Die Sonne auf Urlaub
die Sterne im Streik
Die Gedanken im Exil
der Geist zu Hause

Die Gefühle erschöpft
die Freude der Sieger
Sollten wir denn alle vergessen haben
nach Hause zu gehen

Ja wenn das so ist
dann möge bitte der Letzte das Licht abdrehen

Ja sie dort hinten

Ja doch

Mit voller Kraft 
den Willen unbeugsam
die Hand sicher am Ruder
Ob Wind im Segel
oder Flaute, egal wie lang

Standhaft, ausdauernd, zäh
mit Geduld, die auch warten kann
Ohne zuviel Fragen, Zaudern
oder Zweifel die nur quälen
Immer wach mit offenen Sinnen
und Ohren die auch hören können

Das Ziel vor Augen
und doch wieder vergessen
Immer weiter jeden Moment
im ewigen Hier und Jetzt
Dein Leben ein Reigen
ja ein Tanz dessen Melodie
du selber intonierst

Ja, ja doch, ja
So könnte es gehen

Halleluja

Was für eine Freiheit 
sich alles erfüllen zu können
All unsere Wünsche und Verlangen
wann immer wir wollen
Was für ein Leben
Was für ein Fest

Genau dazu sind wir ja da
für Saus und Braus
und Spaß ohne Ende
Fürs feste Zugreifen
im kosmischen Supermarkt
mit dauernder Selbstbedienung

Zum Teufel mit der Einfachheit
Bescheidenheit oder gar Enthaltsamkeit
Wir wollen nicht verzichten
auf kein einziges Ding
das uns so schön vor der Nase hängt

Wir haben das Geld
wir haben die Energie
wir wollen immer mehr
und fühlen uns richtig gut dabei

Das ist unser Lebenssinn
der wahre und einzige, Hurra
Noch ist der Krug gefüllt
und der Brunnen nicht weit

Und wir, und wir
wir leben ja noch
Hurra, Hurra
Halleluja, Hurra

Kopf und Herz

Mein Kopf 
ist nicht weit
von meinem Herzen

Und weil er so nahe dran
tut er nur das
was das Herz ihm sagt

Und ich
dem Kopf und Herz
ja gehören
tue dann das
was beide mir sagen

Die Welt verändern

Hab heute die Welt verändert
Es war leichter als gedacht
und ich bin ungeheuer stolz darauf

Hab geputzt wo es nötig war
erledigt was lange aufgeschoben
und mir beim Kochen Mühe gegeben

Hab mich dann mit Freunden getroffen
oft gelacht und ihnen auch zugehört
einfach den Abend genossen

Und jetzt nach alledem
blicke ich mich um und sehe
daß sie ganz anders aussieht
Wirklich schöner diese Welt

Unendlich

Diese Freude 
die ich in allem sehe
die Lust am Dasein
dieses Leben ohne Fragen
das Treiben der Natur

Ein ewiges Spiel
um Werden und Vergehen
ein nie endender Tanz
ein Triumph der Saat
die in allem ist

Dauernder Ausdruck
der allumfassenden Harmonie
das Chaos gleicht
und doch keines ist

Alle Phänomene sind wahr
weil ich sie sehe
sie höre, sie fühle
und mich
an ihnen erfreue

Die Wahrheit
in jedem Stein
jeder Pflanze, jedem Tier
und ja, auch in uns

Jede Regung, jede Tat
ein Teil dieses Reigens
der immerfort
und jeder Tod eine Geburt

Die Zeit, die fließt
der Raum grenzenlos
die Bühne auf der
all dies möglich ist
immer bereit

Unendlich, endlich
ewig
oder auch nicht

Aber ich frage dich
Wer will das denn schon
so genau wissen

Wolken

Wenn die Wolken vorüberziehen 
würd ich gern mit ihnen fliehen
in die weite, weite Welt
vogelfrei ganz ohne Geld

Doch dann denk ich mir
du hast doch gebaut ein Haus
bleib da wo ich bin
und schaue zum Fenster hinaus

Universum

Meinst du
die Sterne am Himmel
sie sind da nur
um dir zu gefallen
und dich zu unterhalten

Glaubst du die Sonne
hätte nichts anderes zu tun
als dir zu leuchten
auf dich zu scheinen
und deinen Wanst zu wärmen

Dann bist du sicher
auch der Meinung
das Universum wäre nur dazu da
um deine vielen Wünsche zu erfüllen

Allein

Es ist der Stolz 
es ist die Kraft
es ist die Schönheit
die jeder Bewegung eigen

Es ist die unbändige Energie
die strömt
Das niemanden zu brauchen
und sich selbst zu helfen
in allen Lebenslagen

Es ist die Unabhängigkeit
von allem
Für alle da zu sein
und doch allein

Punto

Verwirrung zulassen 
Chaos akzeptieren
Grenzen bewusst werden
Einengungen auflösen

Ängste ausloten
Zweifel betrachten
Ziele vergessen
Harmonie fühlen

Balance anstreben
Frieden leben
Freiheit erahnen
Freude spüren

Gerichtet sein
Einpunktig

In other words: Just take it easy

Dämonen

Lass den Geschmack der Angst
lustvoll auf deiner Zunge zergehen
Schenk deinen Dämonen ein Lächeln
bringe sie auf deine Seite
und mache sie so zu Verbündeten