Menschliches – Gedichte
Begegnung
Er sah mich an
wie wenn ich sein Bruder wär
Als wäre das was uns trennt
nur eine kleine Wenigkeit
Die Herkunft, unsere Sprache
oder die Farbe der Haut
völlig unbedeutend
Als wäre die Verschiedenheit
unserer Ansichten und Überzeugungen
nicht der Rede wert
Und schon gar nicht
in den Gefühlen und Gedanken
oder in unseren Herzen
Als ob die kurze Sekunde
die wir uns kennen
schon genügen würde
ein Anfang zu sein
Um eine Freundschaft entstehen
zu lassen, die tief
fest und dauerhaft ist
Freund Gedanke
Woher kommst du, Gedanke
wo fängst du an, wo hörst du auf
hast du Gestalt, die wie entsteht
Gefühle, Erinnerung, Geschichte
Was machst du mit mir
wenn du
durch mein Seelenlabyrinth fliegst
Wo gehst du hin
wenn ich dich nicht mehr wahrnehme
Denke ich dich oder denkst du mich
gehörst du mir, wenn nicht wem dann
kommst du, entstehst du
oder fliegst du vorbei
Weiß ich mehr mit dir
bin ich reicher ohne dir
bleibst du gleich in meiner Betrachtung
was tut die Zeit mit dir
Was siehst du wenn du kommst
immer denselben
sagst du denn immer das gleiche
sprich mit mir
Muss ich dich teilen, mit wem
wer schickt dich
wieviele Sprachen sprichst du
was wärest du ohne sie
was ohne mir
Kannst du mich lieben wie ich dich
kann ich dich quälen wie du mich
kann ich dir entfliehen wie du mir
kann ich dich ändern wie du mich
Erkennst du dich selbst
deinen Ursprung, deine Kraft
deine Möglichkeiten, deine Opfer
deine Grenzen, deinen Schöpfer
Du siehst Freund Gedanke
ich denke an dich
Denkst du auch manchmal an mich
Wünsche
Was haben wir uns
nicht schon alles gewünscht
im Laufe der Zeit
Und welch großes Leid
da sie unerfüllt geblieben
unsere Träume
die wir doch alle haben
Vieles davon
schon wieder vergessen
jetzt überhaupt nicht mehr wichtig
oder man lächelt darüber
Sehen wir doch in der Rückschau
wie unsere Sehnsüchte sich ändern
und man wünscht sich irgendwann
keine mehr zu haben
Ob es denn nicht doch viel besser wäre
die Dinge so zu nehmen wie sie sind
und nur mehr das zu wünschen
was man sich auch selbst erarbeiten kann
Und ja, warum nicht
das Dasein selbst als Wunsch zu erleben
der wahr geworden ist
Zweifel
Wenn du niemals gezweifelt
dann tue es jetzt
du der du nie gefragt
weil alle Fragen verschluckt
Dein innerer Löwe der sie gefressen
spuckt sie nun wieder aus
in anderer Form
nicht verkleidet
klarer denn je
Erschreckender, gewaltiger
allumfassender, öffnender
weit ab jeder Grenzen
erkennend, fühlend
eigentlich nicht wissend
und doch in einer Sicherheit
die das Blut gefrieren lässt
Wenn du niemals gezweifelt
dann tue es jetzt
vielleicht ist es morgen
schon zu spät
Oder nagender, brennender
auf eine Art
zerstörender als gestern
Frage
und sei die Antwort zugleich
Antworte
ohne die Frage gestellt zu haben
Verbrenne die Vernunft
in den Flammen deiner Leidenschaft
und ersäufe das Warum
in dem Meer deiner Liebe
die nie gefragt
und auch nie versiegt
Ein Traum
Einen Traum zu leben
wider aller Vernunft
wider den Verstand
vor allem gegen alles
was möglich ist
oder man möglich glaubt
Ihn, wenn einmal geboren
und für richtig empfunden
für dein Wesen
für das was du bist
immer sein wolltest
dann lebe ihn
mit aller Kraft
Wie viele denn
hast du schon gesehen
in ihrem Kampf mit dieser Welt
in die sie geboren
Die nichts anderes tun
als sich anzupassen
bis nichts anderes mehr überbleibt
als eine Karikatur
ihres Selbst
Diese Mitläufer
die das was sie vorfinden
als eine fertige Sache begreifen
als etwas das nicht zu ändern ist
Und das was ihnen andere sagen
zur obersten Wahrheit erheben
ohne sich die Mühe zu machen
ihre eigene zu finden
Kann es denn eine Wahrheit geben
wenn du selbst
nicht davon überzeugt bist
Zweifel hast, Bedenken
dich darin nicht findest
immer wieder strauchelst
und dich nach anderem verzehrst
Wessen Wahrheit lebst du dann
Diese Sirenen
die dir einreden was zu tun ist
und damit die einzige Stimme übertönen
die zählt, die immer zu dir spricht
ohne Unterlass
Aber die die wenigsten hören
weil sie ihre Ohren voll haben
von dem Geschrei der anderen
Blicke zurück
soweit du kannst
und dann sag mir wen du siehst
wenn du an Geschichte denkst
Denke an die Bücher die dich bewegten
an die Musik die dich verzaubert
an die Kunstwerke die du bestaunst
und an die vielen, vielen Beispiele
großartiger Architektur
die wir bewundern können
Und wenn du etwas Zeit hast
erzähle ich dir
welche Menschen sie vollbracht
Annehmen
Nicht nur Siegen
ist eine Kunst
Nein, auch die Momente der Niederlage
das Unvermögen, den Stillstand
anzunehmen gehört dazu
Du
Viele glauben und fühlen
daß ihnen etwas fehlt
haben Sehnsucht ihr Leben lang
und wissen gar nicht wonach
Doch dem ist nicht so
haben wir doch alles was es braucht
Dein bester Freund ist in dir
das bist du selbst
solltest es zumindest sein
Kein anderer kann es für dich tun
Aber auch dein größter Feind
ist niemand anderer als du
Mit dir musst du verhandeln
Alle Fragen sind in dir
die du dir immer stellst
Aber auch die Antworten
auf die du vielleicht
noch etwas warten musst
Alle Gefühle sind in dir
Die Verzweiflung, Wehmut und Traurigkeit
unter der du manchmal leiden magst
Aber auch alle Heiterkeit und Freude
wenn du sie nur zulassen kannst
Alle Zweifel sind in dir
die du an der Welt hast
und auch an dir
Aber auch dein Vertrauen
in den Gang der Dinge
und vor allem in dich
Alle Irrtümer und Fehler sind in dir
die du machst oder noch machen wirst
Aber auch die leise innere Stimme
die dir deinen Weg aufzeigt
Alle Meinungen und Überzeugungen
sind in dir
das wie du über das Leben denkst
Aber auch die Vernunft und Weisheit
diese zu ändern
wenn es dir angebracht erscheint
Aller Zorn und Ärger, alle Niedertracht
in Gefühlen, Gedanken und Worten
ist in dir
Aber auch das Mitgefühl und die Liebe
die du anderen geben kannst
Alle Wünsche und Träume
die du hast, kleine oder große
sind in dir
Aber auch der Mut
die Ausdauer und die Kraft
sie dir selbst erfüllen zu können
Alle Harmonie und Schönheit
ist in dir
die Ausdruck deines wahren Wesens sind
Aber auch das große Wunder
das du doch selber bist
und auch immer bleiben wirst
Freundschaft
Eine Freundschaft
gehört zum schönsten
was uns das Leben bieten kann
Ist sie doch eine Art der Übereinstimmung
ein Gleichklang der Herzen
eine Harmonie der Seelen
die immer wieder auch
wie ein Jungbrunnen wirkt
Wenn sie nicht kritisiert
ausnützt, fordert
oder erwartet
Wenn sie einfach
als Geschenk betrachtet wird
Gute Freundschaften
sind tief und fest
und doch unglaublich leicht
ja fast zart
Weil es so gar keine Mühe macht
ein Freund zu sein
und das oft ein Leben lang
Der Thron
Schon mal
von deinem Thron herabgestiegen
auf den du dich gesetzt hast
ganz ohne eine Wahl
oder gar einer Krönungszeremonie
Du hast ihn dir selbst gebastelt
mit deiner Einbildung, deinem Hochmut
versetzt mit deinen abfälligen Blicken
auf alle
die dir so gar nicht
das Wasser reichen können
Verziert mit dem Stoff
deines großen Selbstvertrauens
und der Meinung
etwas ganz besonderes zu sein
und doch Besseres verdient zu haben
Du sitzt da hoch oben
weit über den anderen
und hast eine gute Aussicht
auf ihre Fehler, ihre Misserfolge
und ihrem großen Abstand
von der Vollkommenheit
Es fällt dir sicher schwer
diesen schönen Platz zu verlassen
und runterzukommen
in die Niederungen
des gewöhnlichen, einfachen Volkes
Du könntest ja so werden wie sie
oder schlimmer noch
entdecken, daß du eigentlich
ganz genauso bist
Unsere Nächsten
In unserer modernen Zeit
gibt es viele Medien
die wir täglich benützen
im Dialog mit der ganzen Welt
Selbst die weitesten Länder
rücken näher
Und natürlich auch die Menschen
mit denen wir Kontakt haben
Wo wir uns austauschen können
wie es uns jeweils geht
Sie mögen zwar
nicht unsere Nachbarn sein
diese Menschen
aber sie sind definitiv
auch unsere Nächsten
Stimmen
Kennst du sie
die Sprache deiner Wünsche
Weißt du denn auch
wie ein Verlangen
sich in dir Gehör verschafft
Oder wie die Gier
auch die Leidenschaft
sich in deine Aufmerksamkeit drängen
Hörst du sie
die lauten Stimmen der Sirenen
die in dir sich mästen
doch immer gut gefüttert
von deinen Wünschen nach mehr
Sie singen dir
und kreischen dabei oft
schöne verheißungsvolle Lieder
vom Glück des Besitzes
und von der Lust am Haben
Kannst du ihnen
Einhalt gebieten
wenn du müde und ermattet
vom Lauschen ihres Gesangs
weil du spürst was sie anrichten
Und kannst du sie denn
auch zum Schweigen bringen
für ein paar Tage oder mehr
Um deine Augen zu öffnen
und einmal das zu betrachten
genau und in aller Ruhe
was du schon alles hast
Grenzen
Es gibt Grenzen
die wir uns selber setzen
ganz freiwillig und ohne Zwang
ohne uns dessen bewusst zu sein
Wie auch all der Elemente
die täglich
unsere Handlungen beeinflussen
Die Grenze der Nationalität
unserer Heimat, wo auch immer
Die uns alles andere jenseits davon
als fremd erleben lässt
Das Flechtwerk unserer Familie
so schön es auch sein mag
Aus dem heraus es uns schwerfällt
auch anderen
mit gleicher Liebe zu begegnen
Das Gewicht unserer Erziehung
die sich uns eingeprägt hat
wie eine Schnittvorlage
Die vieles in unserem Verhalten beeinflusst
Die Fesseln unserer Meinungen
Ansichten und Überzeugungen
woher auch immer
Die meistens nicht wir bestimmen
sondern sie uns
Die Schwerkraft unserer Religion
aus Kindheitstagen
an die wir seit langem gewöhnt sind
Die uns mit unruhigen Herzen
auf andere blicken lässt
Nicht zuletzt
die Schranken unseres Geschlechts
die uns dementsprechend handeln lassen
Und in denen es oft unmöglich erscheint
mit dem Gegenüber mitzufühlen
All dessen
sollten wir uns bewusst sein
bevor wir laut
nach der großen Freiheit rufen
Verändern
Hast du schon alles gesehen
was dir des Weges kommt
oder gehört im Gespräch
Bleib trotzdem wachsam
Es könnte ja sein
daß die Dinge sich verändern
Und wenn sie es nicht tun
dann vielleicht du
Heimat
Wir alle haben eine Heimat
egal wo das sein mag
auf der Welt
Eine Heimat in die wir geboren
aufgewachsen und gelebt
Sie wird man so leicht
nicht vergessen
wo immer uns das Leben dann hinträgt
Und ja, wir sind auch stolz darauf
weil sie uns zutiefst geprägt hat
Und so wie diese Heimat
in jedem von uns Erinnerungen weckt
sollte man auch
die Gefühle der anderen respektieren
Wenn sie von ihrer Heimat erzählen
und ebenso stolz darauf sind
Dankbarkeit
Was hält die Dankbarkeit
wohl von denen
die in ihrem Namen
mit hohlen Worten
nur leere Sprüche von sich geben
Was nun
Was fehlt dir denn hier Mensch
in dieser Welt
in der du groß und erwachsen geworden
Eine Zeit des Lernens und der ersten Erfahrungen
Doch jetzt du fühlst es genau
sich deine Gedanken wie wild im Kreise drehen
Du schaust dich um in diesem Angebot
und fragst dich still: Was mach ich nur hier
Bei allem was hier möglich ist
und wie tief manche Trauben doch hängen
Braucht es mich überhaupt
und wenn ja wie sollte ich sein
Ganz anders oder doch so wie ich nun mal bin
Und was sollte ich wohl tun im Leben
Eine schöne Aufgabe vielleicht
eine die zu mir gehört
Und wer kann dir das sagen Mensch
mit einer Stimme der du dann auch vertraust
Du hast deinen Verstand, deinen Willen
und auch dein Herz
Bist glücklich versehen
mit allem was es braucht
Streng dich nur an ein bisschen
und mach auch du dir deine Gedanken
so wie es viele andere tun
Es wird dich nicht reuen
denn die Fragen gehören einfach dazu
Und vielleicht ist dann auch deine Antwort
Daß dir hier überhaupt nichts fehlt
Sehnsucht
Die Sehnsucht kann sehr leicht
auch zu einer Sucht werden
Wenn die Gefühle gar nicht wissen
wonach sie sich sehnen sollen
Das Suchen immerzu andauert
und gar nicht imstande ist
etwas konkretes zu nennen
das man erreichen will
Es ist besser
das Sehnen zu hinterfragen
und genauer zu betrachten
so gut es geht
Um vielleicht ein Wollen
zu formulieren
bei dem es sich dann auch lohnt
mit aller Kraft
darauf hinzuarbeiten
Eine Frage
Hast du eine Frage an dich
eine die dir am Herzen liegt
und deren Antwort du gerne wüsstest
Stelle sie dir doch einfach
sprich sie aus, laut und deutlich
und denk dann nicht mehr daran
Mit etwas Glück und Geduld
wird die Antwort auch kommen
auf die eine oder andere Art
Du musst nur darauf warten können
Wandeln
Man muß nicht immer
derselbe bleiben
Unsere Persönlichkeit, der Charakter
ist nicht für immer eingefroren
oder gar in Stein gemeißelt
Man kann seine Meinungen ändern
die man mit sich herumschleppt
Man kann offener werden
für die Überzeugungen anderer
wenn man einmal das Zuhören gelernt hat
Man kann einmal versuchen
die Dinge von der anderen Seite
oder mit anderen Augen
zu betrachten
Man kann daran arbeiten
in denselben Situationen
nicht immer die selben negativen Gefühle
und Gedanken zu haben
auf die manche sogar noch stolz sind
Mit etwas Willen und Arbeit
kann man auch daran gehen
diese Gefühle, auch die Gedanken
besser zu kontrollieren
und sie zu kultivieren
Wir, die wir Menschen sind
sind in der sehr glücklichen Lage
uns selbst veredeln zu können
wenn wir das auch wollen
Wir alle
brauchen dazu niemanden
wir können das ganz allein
jeder für sich
Es kommt nur darauf an
ob wir weiter
das höchste Tier bleiben wollen
oder doch schon etwas mehr
Handeln
Denkst du gerade
an deine Wünsche und Träume
die immer wiederkehren
so fern sie auch sein mögen
Oder bist du schon in Vorbereitung
oder gar mittendrin
sie auch durchzuführen
Das, du kannst es glauben
macht einen ganz großen Unterschied
Das Geschenk
Jede Glaubenslehre, egal welche
spricht vor allem auch davon
wie die Gläubigen
ihre Gemeinschaft besser gestalten können
Und daß jeder einzelne dazu angehalten wird
ein aufrechter, ein ehrlicher Mensch zu sein
und auch so zu handeln
Wenn man in dieser Frage
die jeweils heiligen Bücher vergleicht
wird man feststellen
daß sie gar nicht so weit
voneinander entfernt sind
Nehmen wir einfach zur Kenntnis
daß wir verschieden Gläubige
auch weltweit aufeinander zugehen könnten
und zusammenleben wie es in den Schriften steht
Weit weg von gegenseitigen Feindseligkeiten
Ja vielleicht auch einmal die Hände reichen
quer über alle Ideologien
und Überzeugungen hinweg
Daß wir alle in vertrauensvollem Austausch
viel voneinander lernen können
Und daß jeder, wirklich jeder Mensch
eine willkommene Inspiration
für seinen Nächsten sein könnte
Es wäre ein großes Geschenk
das wir uns alle selber machen
Geben
Nie nach etwas verlangen
außer geben zu können
aus vollem Herzen
direkt oder indirekt
Geben
das Schönste das es gibt
Gebet euch hin
dieser Freude, dieser Erfüllung
die das Dasein offenbart
Werdet eurer Stärke bewusst
und all euren Möglichkeiten
tanzt und werdet die
die ihr doch seid
Schenkt eure Liebe
gleich wem, gleich wie
ohne Unterschiede zu machen
Ohne Zögern, ohne Zweifel
und wartet nicht auf Dank
oder gar einen Lohn
Macht euch zu Trägern
zu aktiven Bekennern
dieser Wahrheit der Liebe
Und öffnet dann eure Augen
all eure Sinne und eure Herzen
für das Leben
das ihr führen werdet
Die Ruhe
Die Ruhe, der Frieden
die Harmonie in deinem Wesen
sie kommen nicht von alleine
und schon gar nicht von außen
Das ist Arbeit an deinem Selbst
die lange dauern mag
und auch beschwerlich sein kann
Wie du dabei vorgehst
liegt ganz an dir
du kennst dich selbst am besten
Aber wenn dein inneres Gleichgewicht
und die Stille einmal da ist
wirst du diese Haltung
nie mehr aufgeben wollen
Manche Worte
Manche Worte
von großen Menschen formuliert
werden mitunter auch......
Auslöser von Veränderungen
fruchtbare Samen die auch aufgehen
und treue Begleiter in die Zukunft
Solide Fundamente unserer Überzeugungen
sichere Brücken über strittige Fragen
oder stabile Bausteine
mit denen man auch bauen kann
Sie sind aber oft ebenso
wie Markierungen in der Geschichte
an denen wir unseren Werdegang
erahnen und erkennen können
Unsere Gedanken
Wo sind wir
wenn wir an gestern denken
und uns an vieles erinnern
Wo bist du
wenn deine Gedanken dir enteilen
und in die Zukunft fliegen
Wo bin ich
wenn meine Gedanken den Raum verlassen
um ohne mir spazieren zu gehen
Und wo wären wir denn alle
wenn nicht wir die Gedanken hätten
sondern sie uns
Respekt
Es wäre gut, wenn die Menschen
den Pflanzen, den Tieren, der Natur
ja der gesamten Schöpfung
denselben Respekt entgegenbringen würden
den sie immer für sich selbst einfordern
Fehler
Wir alle haben das Recht
auch unsere Fehler zu machen
Wohl kaum einer der keine begeht
und oft auch daraus lernt
Dasselbe Recht sollte man aber
ebenso jenen zugestehen
die in die Geschichte eingegangen sind
Bekannte Persönlichkeiten allesamt
deren Leben gut dokumentiert ist
Oft bis ins kleinste Detail
und präsent in allen Medien
An was also wollen wir uns erinnern
wenn wir an sie denken
über sie lesen oder Gespräche führen
An ihre Fehler
die sie vielleicht begangen haben
und die sie sicher bedauerten
Oder doch besser an das
was diese großen Menschen
für uns geleistet haben
Wir Menschen
Wir Menschen können viel
mit unseren Gedanken, unseren Gefühlen
und dem was wir tun
Viel mehr als wir vielleicht glauben
So können wir tiefe Gräben ziehen
bis sie nicht mehr zu überwinden sind
und der Weg zueinander unmöglich erscheint
Wir können Sprengsätze auf andere werfen
ob im Gespräch, in unseren Handlungen
oder wie wir gerade an sie denken
Wir können hohe Mauern aufbauen
so daß uns keiner erreicht
bis wir bemerken, daß auch wir
mit niemanden mehr offen reden
Aber ebenso inmitten der Völker
wo dann eine freundschaftliche Verständigung
immer schwieriger wird, ja fast undenkbar
Wir können aber auch Türen öffnen
oder bei fest verschlossenen daran arbeiten
daß man sie eines Tages aufmachen kann
Wir können genauso gut Brücken bauen
über die Gräben die errichtet wurden
Von uns, von anderen aber auch die
zwischen den Nationen, deren Politiker
sich permanent und verlässlich
in einer feindseligen Haltung zeigen
Wir können aber hin und wieder auch weiterdenken
an eine Zukunft die nach uns kommt
An all die Menschen die diese Erde
so wie wir einmal bevölkern werden
Und sich dabei in Erinnerung rufen
wieviel Fortschritt und sozialer Entwicklung
wir unseren Vorfahren doch zu verdanken haben
Und daß auch wir unsererseits schon heute
Bäume pflanzen könnten deren Früchte sowohl uns
wie auch den Generationen nach uns zugute kommen
Gerade in unserer Zeit und unseren vielen Möglichkeiten
Mit unseren Gedanken
mit dem was wir wollen
und dem was wir gerade tun
Harmonie
Innere Harmonie ist wie ein großer Baum
Mit tiefen Wurzeln die ihm Halt geben
einem Stamm der fest und doch biegsam ist
mit starken Zweigen die im Wind sich wiegen
und schönen Blättern die ins Leben lächeln
Selbstlos
Die Leute meinen immer
mit Selbstlosigkeit sei gemeint
ihre Persönlichkeit zu verlieren
Aber so ist da nicht
Vielmehr ist gemeint
nichts mehr
für sich selbst zu wollen
Keine Wünsche, Träume,
Leidenschaften die so viele haben
und in Erfüllung dieser Wünsche
immerzu am Leben vorbeirennen
Nein, es heißt alles zu haben
und frei zu sein
um Dinge zu tun, zu denen
man sonst nicht die Zeit hätte
Vielleicht für andere da zu sein
die es nicht so gut haben
etwas beizutragen zum sozialen Gefüge
ihrer Umgebung, ihres Landes
Man könnte sich auch bedanken
auf welche Weise auch immer
zum Beispiel bei der Erde
die uns alle ernährt
und doch so geschunden wird
Mitmachen im Unternehmen der Menschheit
Nachdenken über die dringendsten Probleme
die wir gerade haben
und praktische Lösungen ausarbeiten
egal ob sie umgesetzt werden oder nicht
Auch etwas zu schreiben
von dem wir glauben
daß es wichtig ist
und es andere lesen sollten
Gleichgesinnte finden
denen es genauso geht
Die auch den Wunsch haben ihre Fähigkeiten
zum Wohl der Allgemeinheit einzusetzen
und zu ihrer Entwicklung beizutragen
Man kann so vieles machen
in dieser Selbstlosigkeit
ohne dabei die Angst zu haben
sich selbst
und ganzes Wesen aufzugeben
Oder gar etwas zu versäumen
Viele schöne Aufgaben
warten auf uns
und sind es sicher wert
mit dem ganzen Selbst dabei zu sein
Angst
Wenn du kannst
der Angst
in die Augen schauen
Intensiv und ohne Scheu
Wenn du kannst
der Angst
einen Namen geben
und sie genau benennen
Wenn du kannst
mit jeder Angst
sich einzeln befassen
Konkret zu wissen
wovor du dich fürchtest
Und schließlich
wenn du kannst
der Angst
beständig, immerzu
und vor allem und jedem
ein Ende setzen
Wir
In jedem von uns
ist Bejahendes
Etwas das sich freut
auf den Tag
In jedem von uns
ist Wollendes
Das uns weitermachen lässt
wie immer es auch sei
so gut es eben geht
In jedem von uns
ist Wissendes
Das uns sicher macht
und unsere Schritte lenkt
egal wohin
In jedem von uns
ist Schweigendes
Nicht offenbar
und gut verborgen
das entdeckt werden will
In jedem von uns
ist Liebendes
Das uns bereit macht
geliebt zu werden
Und noch viel mehr
auch selbst zu lieben
Der Alte
Ein alter Mann im Cafe
ruhig, still und unauffällig
Wenn er ihn sah
nickte er ihm freundlich zu
denn der Alte war immer allein
Was könnte er alles erzählen
dachte er sich,
er war auch mal Kind
Über sein Leben
seine Erlebnisse, gute und schlechte
seine Krisen, Enttäuschungen, Niederlagen
aber auch seine Erfolge, seine Siege
und wie er damit umgegangen ist
Welche Ratschläge hätte er wohl
an uns weiterzugeben
und was könnten wir von ihm lernen
mit etwas Zeit
die wir uns einfach nehmen
Über Geschichte die er direkt erlebt
und seine jetzige Meinung darüber
Seinen Blick auf die Dinge
auf die anstehenden Probleme der Gegenwart
und was er dazu zu sagen hat
mit all seiner großen Erfahrung
Noch sitzt er da alleine
aber beim nächsten mal
würde er rüber gehen
und wenn möglich
ein Gespräch beginnen
Viel Zeit haben
ihn einfach einiges fragen
ja aufmerksam zuhören
Und so vielleicht auch
eine schöne neue Freundschaft
geschenkt bekommen
Der Wald
Kennst du den Wald
der verpassten Abzweigungen
und nie erkannten Wegweiser
Der noch immer darauf wartet
daß du ihn wieder aufsuchst
Diesmal wacher vielleicht
und mit offenen Augen
Die Schwelle
Wir müssen uns klar darüber sein
daß in jedem Menschen
auch ein Dieb, Betrüger, Räuber
Gewaltverbrecher oder Mörder
durchaus möglich sein kann
Niemand aber auch niemand
hat irgendeine Garantie dafür
nicht ein solcher zu werden
Wie sollten wir denn auch
bei all dem, was uns
im Leben widerfahren kann
Wir haben aber alle
die Schwelle der Menschlichkeit
und des Mitgefühls
Eine Grenzlinie die wir meist
nie übertreten
Weil sie gut bewacht ist
von dem was man Gewissen nennt
Aber auch die Stimme unseres Herzens
die uns normalerweise strikt verbietet
anderen, in welcher Form auch immer
Gewalt anzutun
Lächeln
Ein Lächeln tut immer gut
bringt es doch Freude in den Tag
Nicht nur für die Menschen
denen wir es schenken
sondern auch für uns
Weil wir dann einfach nur
mit der Stimme
des Herzens sprechen
Argumente
Nimm einmal bei einem Streit
den Standpunkt des anderen ein
Schaue dann auf dich
und höre dir zu
wie armselig doch
deine Argumente sind
Der Spiegel
Er schaute in den Spiegel
und sah sich nicht
Den er erblickte den kannte er wohl
aber er wollte ihn nicht
Nein, überhaupt nicht mehr
Wer bist du der mir die Sicht verstellt
so gar nichts tust wie ich das will
mir mit wirren Gedanken die Ruhe stiehlt
und mir alle Tage vermiest
Wer bist du der mir meine Freunde vergrault
alle meine Vorsätze brichst
auf mich so gar keine Rücksicht nimmt
und mir entschieden im Wege steht
Wie lange, sag es mir,
wirst du noch eine Last mir sein
Und welche Weile
wird es für mich wohl dauern
bis du endlich das machst
was ich wirklich will
So daß ich dann wieder ganz beruhigt
und gelassen in den Spiegel schauen kann
Ein Abenteuer
Wir suchen im Leben oft nach Abenteuern
nach unvergesslichen Erlebnissen
und bleibenden Eindrücken für alle Sinne
an die man sich gerne erinnert
Aber das größte Erlebnis
sind wir doch alle selber
Jeder einzelne, jeder nach seiner Art
Sowohl für die Menschen
mit denen wir zu tun haben
aber noch viel mehr für uns selbst
Welch herrliches Abenteuer
kann es doch sein
wenn man mehr und mehr lernt
mit seinem eigenen Wesen umzugehen
Zweifeln
Zweifelst du
manchmal, oft, immer
an dir
an deinen Fähigkeiten
an deinen Überzeugungen
an deinem Leben
an der Welt
Dann zweifelst du sicher auch daran
daß diese Zweifel die du hast
das Richtige für dich sind
Leid
Oh ja, es gibt ohne Frage
auch Leid auf der Welt
Es gibt Krankheit
es gibt Krieg
und es gibt Naturkatastrophen
unter denen wir zu leiden haben
Aber da ist auch Leid
das wir anderen zufügen
meist ohne nachzudenken
Und oft auch uns selbst
Da ist jeder Streit
der meist völlig unnötig
und mit guten Willen
leicht vermeidbar wäre
Psychische Gewalt in allen Formen
ob am Arbeitsplatz
auf der Straße
aber auch in der Familie
Die Liebe die Besitz ergreift
weil man nur einem gehören soll
und so zum Gefängnis wird
Der Egoismus der nur sich selber sieht
alle anderen ignoriert
auf sie herabsieht und abwertet
Da ist das Ausgrenzen
von vielen Menschen
das nichts zu tun haben wollen
aus gar vielen Gründen
Da ist die Rechthaberei
die die Meinung der anderen
überhaupt nicht akzeptiert
egal was sie sagen
Da ist das Beleidigen
in Wort und Tat
das so gar nicht Nachdenken
was der andere fühlen mag
Da ist das nicht zuhören wollen
wenn der andere Probleme hat
und gerne darüber reden will
Weil man nur seine Ruhe haben möchte
All das und noch mehr
gibt es wahrlich genug
auf dieser Welt
Daran sollten wir denken
wenn wir das Leben
als leidvoll empfinden
und darüber klagen
Weil es mit einigen Willen
durchaus auch anders möglich wäre
Das Schwert
Das Schwert deiner Sprache
in all seiner Schärfe
wirst du so lange schwingen
bis dir jemand zeigt
wie vorteilhaft es sein kann
auch schweigen zu können