Persönliches – Gedichte
Altes Kind
Ich bin alt
gerädert vom Leben
gereinigt von der Notwendigkeit
mich selbst zu beweisen
Gepeinigt von Niederlagen
die mich nur stärker machten
Ein steter Zug in die Mitte
in der nichts mehr ist
Das schwarze Loch
das mit großer Kraft
über die Jahre
Wünsche, Begierden
ja den Willen verschluckt
Das von mir nichts überließ
als ein Kind
das mit großen Augen
die Welt bestaunt
in der es sich bewegt
Ein Kind dessen Erbe
sich anfühlt als wäre es älter
als die Zeit und der Raum
auf den das Faktum
der Körperlichkeit
die Sinne beschränken
In dessen feinen Verästelungen
die Zwischentöne, die Jahrhunderte
zu Minuten werden
und in einer stillen Umarmung
die Kraft der Erinnerung
unendlich wird
In dessen Innenschau
die Völker kommen
und wieder gehen
im Auf und Ab
das sich Menschheit nennt
und seine Augen
immer zärtlicher werden
Das die Fragen
schon lange verspeist
mit Gefühlen die erfroren
mit schleppenden Schritten
und ganz ohne Ziel
Das in Stunden, Tagen, Jahren
deren Ewigkeit erahnt
da der Magnet seiner kindlichen
ja unschuldigen Kraft
alles in sich aufsaugt
was jemals gewesen
und jemals wird sein
In einer Bewegung
die alles auf einen Moment reduziert
auf diesen Augenblick
in dem alles
aber auch alles ist
Und sich entschließt weiterzumachen
irgendwie
im Hier und Jetzt
in der dauernden Gegenwart
Dank
Ich habe im Leben
viel erlebt
und bin dankbar dafür
Aber noch viel dankbarer
bin ich für das
was ich nicht erlebt habe
Ein Neuanfang
Ein Neuanfang
der notwendig erscheint
ein Beginn einer Inventur
die erschreckend ist
Ein Griff nach dem Rand der Grube
die du dir selbst geschaufelt
und stets vertieft
in Worten und Gedanken
Ein Brechen der Stäbe
deines Käfigs
der, so groß er auch sein mag
immer leerer wurde
weil deine Schritte
kraftvoll und stetig
alles darinnen zermalmten
Eine Wiederbelebung
deiner Blume
die in dir wuchs
vom Streben genährt
bis sie gewaltig wurde
und den Himmel streifte
der auf dich herabfiel
Ein erneutes Verfeinern
deiner Kunst
deren Beherrschung du verloren
in Streit und Hader abgewetzt
den Niederen
zum Fraß vorgeworfen
Eine Kurskorrektur
die keine ist
auf dem Weg
der dir vorbestimmt
auf eine Weise
die das Blut gefrieren lässt
Eine Zusammenfassung
der Erinnerung, der letzten Etappe
und der Höhen und der Tiefen
in denen du dich so oft
selbst betrogen hast
Ein Ausspucken
der vielen Versprechungen
die an dein Ohr gedrungen
die sich aber nie erfüllten
Nur deine Erwartung steigerten
bis die Enttäuschung
dich ganz übermannte
Ein Wiederöffnen
deines Füllhorns des Gebens
das dir bereits
aus den müden Armen geglitten
da alle Kraft dazu verwendet
nicht zu straucheln
Eine Wiederaufnahme
des Gebets
das schon vergessen
In vielen Gesprächen
und Handlungen
deren Sinnlosigkeit
sich dir jetzt offenbart
Ein Wiedererstarken
deiner Glieder
deren Erschöpfung
du tatenlos zugesehen
Doch jetzt und für heute
nur für heute
versuchst du einen Schritt
vielleicht einen großen
in den nächsten Augenblick
Der Narr
Ein Leben lang
den anderen zugesehen
bei Dingen
die du selber wolltest
und doch nie bekommen
Die Aufgabe gemeistert
in deiner eigenen Art
im Laufe der Zeit
vergessen zu klagen
Und alle Fragen verschluckt
eine Wunde
in den Wunden dieser Welt
Du der du vieles vollbracht
in der gespielten Einfältigkeit
des Narren
der du nie gewesen
im Wesen, im Geiste, im Herzen
aber einer geworden
im Zuge der Jahre
Mit dem Gewand der Ahnungslosigkeit
der totalen Selbstverleugnung
zu Tage
und vor allem in der Nacht
eine Versicherung
die den Schmerz ertragen ließ
Und heute
nach all den Jahre
siehst du immer noch hin
Aber anders als früher
mehr heiter und gelassen
denn du weißt jetzt
dass du lebst
Daß es ein Leben gibt
ohne die vielen Dinge
die andere besitzen
und all dem was sie glauben
unbedingt tun zu müssen
Ein Leben das sich zentriert
ganz um die Mitte
in der du deine Kraft verspürst
Mit stets wachen Sinnen
und immer offenen Herzen
Ein Leben in der Einfachheit
die nur das Nötigste braucht
ganz ohne wieso und warum
und vor allem
keine Wünsche mehr kennt
Der König
hat den Narren abgelöst
der zwar ohne Land
aber erkennend und zufrieden
Und voll Demut und Dankbarkeit
ein Leben das so reich ist
überhaupt führen zu dürfen
Wellen
Dann und wann
wenn es Zeit dafür ist
lege ich mich vertrauensvoll
auf die Wellen des Meeres
das wir Leben nennen
Und lasse mich treiben
wo auch immer hin sie es wollen
Schaue nicht zurück
und nicht zu weit nach vor
Schränke mich ein
mit dem Wollen
und den Wünschen
für eine lange Weile
Und bleibe einfach still
Mein Haus
Mein Haus ist gebaut
Aus Enttäuschungen
die zu Erfahrungen wurden
aus Schwächen
die ich noch immer habe
Aus Zweifel
die einer gewissen Zuversicht gewichen sind
aus Fehlern
die mich dazu anspornten
es besser zu machen
Aus Unsicherheit
die ich nur mehr selten spüre
aus Lebenskrampf
der sich jetzt etwas harmonischer gestaltet
Aus Schmerzen
die die Zeit zu heilen verstand
aus Niederlagen
die im Rückblick nicht mehr weh tun
Aus Gleichgültigkeit
die einem Mitgefühl Platz machte
das es mir heute ermöglicht
meinen Mitmenschen und mir selbst
mit Liebe zu begegnen
Im Zentrum
Tief im Innersten
dort wo ich bin
dort wo Er ist
bin ich jenseits allem
Jenseits aller Vorstellung
aller Gefühle, aller Gedanken
aller Worte
und vor allem jenseits der Liebe
Und doch lebe ich sie
diese Liebe
die so unaussprechlich
so klar, so offen
und doch derartig verborgen
daß es für sie keinen Namen gibt
nie geben wird
Denn im Zentrum herrscht Stille
wie im Auge des Zyklons
in dem die Dinge, die Welt, die Zeit
die Luft anzuhalten scheint
In dem alles lebendige, atmende
jede Bewegung, jede Emotion
durch sein exaktes Gegenteil
zu einem Nichts verkommt
Jeder Augenblick des Seins
jeder Schritt
das Lachen, das Weinen
das Werden und Vergehen
ist ein Tanz dieser Gegensätze
Ausgeglichen durch das Phantom
das wir Zeit nennen
Existenz ist pure Freude
ganz egal
wie es sich für uns auch darstellt
In den Tiefen des Leidens
der Sorgen und der Trauer
die doch nur Schatten sind
Schatten die wir uns selber werfen
in diesem Spiel der Freiheit
des Lichts und der Liebe
Doch im Zentrum
da wo ich bin
da ist nichts
Kein Anfang weil vergessen
deshalb auch keine Ende
Jenseits allem
ohne Gegenüber
einzigartig
und dann doch wieder vereint
mit allem was ist
Herzlächeln
Wann immer
ich Leben sehe
lächelt mein Herz
Ob es jetzt Pflanzen aller Art
oder verschiedenste Tiere sind
Aber auch bei Menschen
tut es das
Egal wie sie aussehen
und was sie gerade tun
Und ich
ich lächle leise mit ihm
Was willst du mehr
Ob morgens oder abends
ob beim essen oder trinken
ob unterwegs oder daheim
ob aktiv oder in Ruhe
Ob allein oder mit Freunden
ob Regen oder Sonne
ob Winter oder Sommer
Und in allen möglichen Lebenslagen
die das Dasein nun mal so bringt
kommt mir ein Gedanke
der immer derselbe ist
und den ich eigentlich
gar nicht beantworten kann
Was mein Freund
was willst du mehr
Allein
Keiner hört zu, spricht mit mir
oder lenkt mich ab
Ich bin mir ausgeliefert
ganz ohne Schutz
Die Gefühle frei
die Gedanken entfesselt
und niemand da
der dir Grenzen setzt
Die Zeit eine Illusion
die Stunden reine Fantasie
das sonst schweigende Selbst
auf vollen Touren
Aus dem Vollen schöpfen
dem Meer der Ideen
aufgewühlt, uferlos
unendlich tief
einem Füllhorn gleich
Und niemand da
der mir Grenzen setzt
Inventur
Jeder neue Tag eine Last
mit dem Willen der gebeutelt
der alte Tanz
ein Kriechen, ein Zaudern
Jeder Gedanke eine Frage
all das was gewesen
ist weit weg von dir
Deine Augen voller Freude
die gesehen und erkannt
jetzt voll der Tränen
Dein Körper sonst trainiert
in tausend Schlachten
jetzt unbrauchbar
Dein Wesen
ein Trümmerhaufen des Weils
heute ein Verräter
deiner Überzeugungen, deines Weges
Du der du mit deinem Selbst
nicht wirklich zu Rande kommst
Oh du Uferloser
gezwängt in einen Körper
der einem Menschen ähnlich sieht
Bringer einer Wahrheit
die gewaltig, ehrlich und liebend
Du der du keine Heimat
die immer doch dort
wo du gerade bist
Dich mit allem vereint
in jahrelangem Ringen
die Lippen geschlossen
ohne ein Wort
weil sie doch alle gesagt
In sich ein Engel des Friedens
die Sinne geöffnet
für die Schönheit dieser Welt
Nie begreifend der Menschen Tun
all der Zank und Hader
all die falsche Liebe
in deren Namen so viel gelitten
Jeder ein Herrscher seiner Realität
und doch alle suchend
in Vorbildern und vielen Idolen
die nachgeäfft und kopiert
auf Millionen Weisen
Nie an sich selbst glaubend
und die eigene Wahrheit lebend
Und heute in diesen Tagen
bist du selbst einer davon
Am Berge stehend
oder doch schon gefallen
du weißt es nicht
Du wirst es auch nie wissen
noch nicht so bald zumindest
Solange du dich nicht
auf dich selbst besinnst
und diesen Umweg zu Ende gehst
bis dein Weg
wieder klar vor dir liegt
Ganz mit mir
Ich mag es
meine Gedanken zu beobachten
und schaue ihnen zu
als wären es Wolken die vorbeiziehen
Um mich dann langsam
ganz von ihnen zu lösen
Draußen in der Natur
halte ich meine Sinne offen
und bin ganz still
um ihre Sprache zu vernehmen
in all ihrer Verschiedenheit
Gerne und oft bleibe ich alleine
ganz ohne Gegenüber
und schenke mir selbst ein Lächeln
All die Freude und Liebe
die ich in mir fühle
und die ich für mich habe
Ganz bewusst
versuche ich in meinem Wesen
die bejahenden Kräfte zu stärken,
schlechte Gefühle gar nicht zuzulassen
Und bei allem was ich tue
will ich heiteren Gleichmut bewahren
inneren Frieden und Harmonie
Und wie immer es auch sei
einfach an mich glauben
Der Weg
Was bin ich gestürmt
in den jungen Jahren
mit der Kraft der Begeisterung
die durch nichts getrübt werden konnte
Wieviele Nächte bin ich gesessen
in Lokalen aller Art
mit wechselnden Freunden
auf der Suche nach Zweisamkeit
mit dem Alkohol als einziger Konstante
Unzählige Tage bin ich gelegen
mit pochenden Kopf
und vergifteten Körper
in der Bezahlung der vorigen Nacht
Dann wieder gelaufen, fast geflogen
voller Energie und großer Gefühle
betört von der Schönheit der Welt
und des Daseins
ohne Fragen, immer geradeaus
Wie oft bin ich gestolpert
eigentlich hingefallen
bei Gefühlsdramen, Fehlern
und den vielen Nichtigkeiten
die das Leben so bereithält
Und dann gekrochen
in einem Abgrund
der so tief schien
als gäbe es kein entrinnen, nie
viele, viele Jahre lang
Was hab ich gewartet
auf ein Ende der Einsamkeit
auf eine Linderung der Schmerzen
auf eine Besserung
ja auf ein normales Leben
Und doch bin ich ihn gegangen
diesen meinen Weg
den ja sonst niemand
für mich gehen kann
Und heute schaue ich zurück
und bin mir nicht sicher
mit welchen Gefühlen
ich das tun soll
Aber dann spüre ich ganz leise
auch ein bisschen Stolz
mich aus den Abgründen
immer wieder herausgekämpft zu haben
mit viel Geduld und Disziplin
Und immer wieder auch
aufs Neue
aufrecht gehen konnte
Mit erhobenen Kopf
und heilem Herzen
Nie vergessen
Hast du deine Träume vergessen
das Kind in dir
diesen inneren Clown
der dir so sicher half
die Welt zu negieren
die sie dir aufgezwungen
jahrelang
Wo sind deine Kinderaugen
mit denen du staunend
auf die Wunder blicktest
die sich auftaten
als du aus der Wüste kamst
Wo diese Stimme
jenseits aller Vernunft
die trotz vieler Unkenrufen
diese Hölle
in ein Paradies verwandelte
Wo deine Kinderhände
die aus allem Gold machten
jeden Augenblick
zärtlich liebkosten
um dann den nächsten zu greifen
Wo deine kindliche Freude
an allem was du tust
und allem was du fühlst
eine Umarmung der Welt
Wo deine Kindersprache
die keinen Unterschied kennt
in der Gedanken und Worte
dasselbe sind
niemals gelogen
Vergesse sie nie
diese Träume
und vor allem lebe sie
bar jeden Verstandes
den es nicht gibt
Lebe sie !
Lebe !
Ganz einsam
Im Dunkel der Nacht
gehe ich die Straßen entlang
die fast menschenleer
So ganz allein
mit den Häusern
als einzige stumme Zeugen
Die Türen fest verschlossen
die Mauern grinsen mich an
während ihre Fenster
so wie starre Augen
mich gnadenlos
um jede Ecke verfolgen
Es ist beklemmend und grausam
sich nicht verstecken zu können
Ich schleiche dahin
es ist mehr ein Kriechen
und fühle mich nackt
in meiner Einsamkeit
In der Natur
Wann immer ich in der Natur bin
habe ich das sichere Gefühl
Willkommen zu sein
Akzeptiert zu werden, ganz so wie ich bin
Ruhe und Frieden zu finden
Ein Teil davon zu sein
und in dieser Gemeinschaft aufgenommen
Keine Gedanken und Worte zu brauchen
Daß ich geliebt werde
und meine Liebe auch erwidert wird
Daß mein Leben wichtig ist
Daß hier überall Liebe am Werke ist
Die absolute Sicherheit
hier am richtigen Platz zu sein
Und noch viel mehr
das in Worte gar nicht zu fassen ist
Diese Gefühle sind unerreicht
von allem, wirklich allem
was mir jemals im Leben
widerfahren ist
Weil es mich immer
auch daran erinnert
was mir zutiefst am Herzen liegt
Eine große Demut und Dankbarkeit
Sich verlassen
Hab mich heute voll und ganz
auf mich selbst verlassen
bei dem was ich getan
und den Pausen dazwischen
Bei dem was ich gehört, gesehen
und dem was ich gefühlt
Hab auf meine Gedanken gezählt
daß sie die richtigen sind
und genau dann kommen
wenn ich es will
Daß mir die Dinge einfallen
wenn ich es brauche oder nötig habe
ohne groß nachzudenken
Ein Tag ohne Fragen
weil ich darauf vertraue
daß die Antworten schon kommen werden
Jetzt am Abend hab ich das Gefühl
daß ich mich eigentlich
gut auf mich verlassen kann
Und mach es morgen gleich wieder so
Sportler
Ich achte alle Sportler
die ich sehe, wenn ich
selbst Sport betreibe
Die Menschen, die sich
von der Couch erheben
und mit Schweiß und Disziplin
daran arbeiten
so fit wie möglich zu bleiben
Die ihren Körper auch wahrnehmen
ihn trainieren und darauf achten
ihn gut in Schuss zu halten
Es sind da viele Leute
die ich geradezu bewundere
weil sie sich sichtbar schwertun
und trotzdem nicht aufgeben
Viele ältere, korpulentere
die, trotz all der Wehwehchen
die ihr Körper so bringen mag
nicht locker lassen
egal welche Mühe
es ihnen auch bereiten mag
Ja und oft sage ich dann auch
in Gedanken ein leises „ Großartig „
so im vorüberlaufen
wenn sie mir begegnen
Und erinnere mich immer daran,
in Tagen wo es nicht so läuft,
mir an ihnen
ein Beispiel zu nehmen
Krieg
Krieg zu führen
wo keiner ist
ihn nicht zu sehen
und doch im Inneren zu spüren
Die Gewalten entfesselt
die Büchse geöffnet
frei gelegte Energie
den Ursprung am Finger
und doch nicht in der Hand
Das Selbst sich regt
das wahre Selbst
bis jetzt eine leise Idee
die in dir ein Leben lang
Doch nie zu leben vermocht
niedergehalten
von den täglichen Nichtigkeiten
leeren Gedanken
und ohnmächtigen Gefühlen
Dieses Selbst
das jetzt dazu überwechselt
wie so oft, ach wie so oft
wie oft denn noch
für ein paar Tage
einmal gerade zu stehen
Das Haus
Wenn du niemals gezweifelt
dann tue es jetzt
Du der du geblieben
der du warst
und dich
trotzdem nicht mehr spürst
Und wenn in einem Haus
das seine Mauern verloren
Diese Mauern die nie waren
gebaut aus deinem Mut,
deinem Willen und deiner Kraft
Dies Haus das aus Lachen bestand
wo andere darnieder lagen
aus Zähigkeit und Ausdauer
und einem Blick auf die Menschen
voller Liebe
Wenn du niemals gezweifelt
dann tue es jetzt
Und das solange bis dies Wort
und die grausame Idee
von dir abfallen
und zu Asche verbrennen
losgelassen in den Äther
Verbrenne solange
bis das Haus deiner Wahrheit
von neuem entsteht
Und du wachsen mögest
zu dem der du bist
und immer warst
Am Weg
In der Mitte meines Weges
kam ich an eine Weggabelung
Ich wählte den steileren
einsameren und beschwerlicheren Weg
Und habe es seitdem nie bereut
Umkehr
Jeder Tag
ein Bündel voller Fragen
jeder Schritt ein Schritt
in die falsche Richtung
Ein Wenn und Aber
das die Einheit zerstört
dein Dasein
wird ein Meer von Rasierklingen
und jede Bewegung
eine Wunde die warum heißt
Die Hunde der Vernunft
sie bellen dir die Ohren voll
mit ihrem Gekläff
das die Wahrheit
oder wie sie sei übertönt
Die Kraft des Zweifels
Feind deines wahren Selbst
übernimmt die Herrschaft
in einem zähen Ringen
dem du nichts mehr
entgegenzusetzen hast
Einst mit dem Haupt
inmitten der Sterne
und mit den Füssen in der Hölle
diese Hölle die nie eine war
Du der du geflogen bist
über das Antlitz der Welt
deine Heimat überall
spürst zwar die Einheit
und bist doch nicht wirklich da
Dein Grab
die Stätte höchster Gefühle
diese Oase der Ruhe
dein Tor zum Himmel
wird zum finsteren Gefängnis
das du nicht mehr verlassen willst
Es ist höchste Zeit für eine Umkehr
zumindest in Gedanken
Zeit die Kräfte zu bündeln
die dir noch geblieben sind
Zeit der Vorbereitung
für einen neuen Schritt
auf deinem Weg
den du nicht verlassen wirst
wie er auch aussieht
und was immer du tust
Fantasie
Wenn die weißen Wolkenschiffe
im Wind ihre Segel setzen
weit, weit ober mir
schaue ich sehnsüchtig auf
und immer wieder
beneide ich sie
Dann sitze ich da
mit leuchtenden Augen
und beginne zu schweben
mit den uferlosen Schwingen
der Fantasie
Das Geheimnis
Die wispernden Blätter am Baum
lächeln mich immer an
und sie erzählen mir Geschichten
Von der Sonne zu der sie tanzen
vom Wind in dem sie sich wiegen
und von der Kunst das Leben anzunehmen
Von der unschuldigen Freude
und noch viel mehr
von der Liebe
Vom Loslassen
vom einfach du selbst zu sein
und von ihrem großen Geheimnis
jenseits jeden Verstehens
das ich nur erahnen kann
Fragen
Deine Erfahrung verraucht
deine Weisheit erloschen
deine Waffen
die du nie gebraucht
liegen kraftlos
weit weg von dir
Die Zuversicht so scheint es
hat dich verlassen
der Zug hat aufgehört
zu fahren
Dein Schreiten ein Taumeln
deine Träume, Überzeugungen
deine schönen Gedanken
wie weggeblasen
Hände die soviel bewegten
ermattet
die Muskeln sonst austrainiert
völlig erschlafft
Dein ganzer Körper
total vergiftet
deine Liebe, die nie aufgehört
zu einem Wehklagen verkommen
Kann man
das wahre Selbst zerstören
kann man einen Menschen
niederringen
Kann man einen Stern
verändern
seine Kraft
ins Nichts befördern
oder ihn gar auflösen
Ich denke nicht und doch
kann ich mir das Gegenteil
nicht beweisen
Wissend doch
daß genau dann der Hund der Vernunft
die Größe deines Selbst beisst
Es gibt
nichts zu beweisen
und keine Antwort zu suchen
da eine Frage an sich
schon der Abgrund ist
Jetzt gilt es
einmal durchzuatmen
und einfach weiterzumachen
ganz egal wie
Streit
Ich kann nicht streiten
um nichts
und mit niemanden
Denk ich mir doch
sie haben alle recht
und dass jeder für sich
seine eigene Wahrheit hat
In der Mitte
des Weges
In der Mitte deines Weges
beginnst du dir selbst
zu misstrauen
Du der du vieles vollbracht
und doch
immer du selbst geblieben
Auf einmal
du weißt nicht warum
zweifelst du an allem
was du tust, was du denkst
und analysierst dich
in einer kreisartigen Bewegung
die kein Ende kennt
und jeden Fortschritt verhindert
Natürlich kennst du den Grund
und kannst den Finger
darauf legen
Doch wartest du
auf Heilung vergeblich
Du der du so voll Vertrauen
in dich
erweist dich jetzt
als dein größter Vampir
der deine Festung
von innen benagt
Die Feinde besiegt
die nie welche waren
alles ausgeräumt
was nach Frage aussah
Zermalmt und zerstreut
mit der Kraft der Liebe
die du gegeben
ohne nach einem warum zu fragen
Aus dir selbst heraus
ein schweigender Akt
ein Leben lang
Ein beständiges Leeren und Füllen
aus den feinen Himmeln
in denen es keine Worte gibt
Du der du ihn eingerissen
den babylonischen Turm
der Sprachen
und sie auf eine reduzierst hast
auf die eine die doch universal
beobachtest dich jetzt dabei
sie zu verlernen
und fragst dich zurecht warum
Und doch spürst du
nein weißt du
daß es darauf keine Antwort gibt
Zumal du sie dir schon längst gegeben
in einer Zeit lange vor heute
Doch heute
weißt du nicht mehr
ob sie die richtige
für dich und deinen Weg
Für das was du dir vorgenommen
in der Freude
und deiner Verpflichtung
zu dir selbst
Lasse das Gehen
nicht zu einem Hinken verkommen
Spanne deine Muskeln an
da wie dort
festige deinen Schritt
und zerkaue die Fragen
in einer beständigen Bewegung
deines Tuns
ohne an ein morgen zu denken
Im Augarten
Es ist nachts
schon ziemlich spät
und der Heimweg der vor mir liegt
ist ein wenig gefährlich
Weil er durch den Augarten führt
der um diese Zeit
schon geschlossen ist
Die erste Mauer
etwa drei Meter hoch
an dieser Stelle
aber leicht zu erklettern
Oben ein Sprung in die Tiefe
und schon bin ich drin
Allein im großen Park
allein mit Sträuchern, Bäumen
und allerlei Getier
Mit keinem anderen Geräusch
als den knirschenden Kies
unter meinen Füssen
Allein mit der Dunkelheit
mit den Sternen
mit dem Mond
der sanft herunterschaut
und mit dem mulmigen Gefühl
eines 15 jährigen
Ein Gefühl
das sich nicht beschreiben lässt
Vorne das große, hohe Gitter
neben der Manufaktur
mühelos zu bezwingen
wenn man weiß wie
Sowohl hinauf wie hinunter
eine Sache von wenigen Sekunden
Dann der Zaun der Gärtnerei
wesentlich niederer und schnell erledigt
Aber drinnen heißt es vorsichtig sein
denn es könnte noch wer da sein,
schnelle Schritte tun not
Zum Abschluss
das große Einfahrtstor
ein leichtes Spiel
Hinauf auf den hinteren Balken
ein Satz hinunter
und schon bin ich wieder draußen
Gut gegangen
von niemanden gesehen
oder gar erwischt
Ein regelmäßiges Abenteuer
das mich als Kind
auch ein bisschen stolz gemacht
Denn wer kann schon behaupten
mitten in der Nacht
ganz alleine
im Augarten gewesen zu sein
Ein Tag
Wenn ich hin und wieder
an meine Kindheit denke
an die fernen Tage
der Jugend
dann fühlt es sich manchmal so an
als wären die vergangenen Jahrzehnte
nicht viel mehr als ein einziger Tag
Erinnerung
Stumm, sehr stumm sitzt du da
und verbeisst dir die Worte
die so schwer auf den Lippen liegen
in der Stille des Tages
Das Spinnrad deiner Gedanken
die alle an gestern denken
und kommen und gehen ohne Unterlass
versuchst du jetzt anzuhalten
mit aller Kraft
In früheren Zeiten
geübt in der Kunst der geistigen Leere
die so erfrischend ist
wie ein Bad im Fluss des Seins
Lange geschwommen, geschwebt
die Stromschnellen ignoriert
sie nicht gesehen
und wenn dann darüber gelacht
Über Wasserfälle geschossen
die sehr hoch und sehr tief
untergetaucht in die Seen bis die Luft erschöpft
und wieder mit einem Schrei in die Höhe
Immer weiter
singend, tanzend in den Wellen
mit voller Lust
dann wieder schnaufend, prustend
den Atem anhaltend
ob so mancher Unglaublichkeit
Oft Sehnsucht nach einem Ufer
nach einem Halt
der dieser wilden Fahrt eine Pause gönnt
Eine stille Stunde nur
und wäre es die Ewigkeit
Aber sind gerade jetzt nicht
deine Hände kraftlos und matt
und dein ganzes Wesen
nach Ruhe sich sehnt
Dann bleib still
für diese eine Stunde
und lass dich einfach treiben
Mit der Jugend
Jedes Mal
wenn ich mit jungen Leuten rede
und das tue ich oft
dann fühle ich mit ihnen
und versuche
mich ganz in sie hinein zu versetzen
Ich sehe sie gern diese Jugend
vor allem ihre Begeisterung, ihren Elan
und denke und erinnere mich daran
in jungen Jahren genauso gefühlt zu haben
Was habe ich nicht alles gewollt
was nicht alles vorgehabt
und was nicht alles erobern wollen
Mit der ungestümen Energie
des Heranwachsenden
die sich kaum zähmen lässt
Wie süß ist es doch zurückzublicken
Und heute im späten Herbst meines Lebens
höre ich den Jungen zu, und freue mich
daß sie genauso planen, genauso vorhaben
genauso fühlen, genauso wollen
Und rede mit ihnen um sie zu bestärken
in dem was sie tun
und an sich selbst zu glauben
Ich selbst habe mich davon befreit
noch etwas beweisen zu müssen
Ich habe meines getan in Höhen und Tiefen
so ehrlich mir das möglich war
Doch statt müde zu sein
und nur mehr zurückzuschauen
freue ich mich
auf all die Gespräche
die ich noch führen werde
Am Morgen
Ein Morgen wie viele
einzigartig da nie gewesen
und doch gleich
in seinem Ablauf
Ein Kampf gegen die Schwerkraft
die des Geistes
und vielmehr noch die des Körpers
Ein Blick aus dem Fenster
mit einer Träne im Herzen
Die immer wiederkehrende
gleiche Routine
deren Ablauf oft und oft
die Freude des Rituals
zu einer hohlen Geste verkommen lässt
Aus den Abenteuern der Nacht
frei von Begrenzung, Zeit und Raum
in den Körper gezwängt
der schon müde von den Schlachten
Mit einem Willen der gespalten
Zwar klar formuliert im Geist
aber an der Umgebung abgeprallt
die Seele blutig gestoßen
Die Welt in deinem Herzen
mit all ihren Wundern
nicht gut nicht böse
aber gewaltig in ihrem Spiel
das sich vor dir entfaltet
Nicht im Kampf mit ihr
sondern in inniger Umarmung
Und doch in leerem Sehnen
nach einem Menschen
egal wem
mit den gleichen Augen wie du
Selbstbetrachtung
Du hast sie einfach
zu groß werden lassen
Diese fast schmerzende Sehnsucht
nach einer Liebe die nur dir gehört
nach einer Frau die dich liebt
Lange, viel zu lange
Bis dann die so gefürchtete Einsamkeit
auch dir ihre Reize zeigte
Und den ganzen Reichtum
den sie jenen offenbart
die sich ihr ganz ergeben
Das Leben allein
ist nicht weniger lebenswert
und schon gar nicht leer
Warten doch viele Wunder
die es uns zu bieten hat
Bescheide dich mit dem was du hast
mit all dem was in dir verborgen
und lebe doch deine eigene Liebe
die du so stark in dir spürst
Die jetzt eben allen gehört
Wenn
Wenn die Freude nicht mehr da ist
und der Tag zur Last wird
gefüllt mit der Leere
der täglichen Belanglosigkeiten
Und die Nacht dein einziges Refugium
da sie das wahre Spiegelbild
deines Wesens ist
Wo dein Selbst zu leben beginnt
in einer Weise
zu der der Tag
das genaue Gegenteil darstellt
Wenn das dir so eingefleischte Vertrauen
in deinen Weg, in die Liebe
in einen Sinn dahinter
sich in Missgunst und Hader
mit dir verwandelt
Wenn die Gedanken kreisen
und Antworten fordern
auf Fragen die es nicht geben sollte
Wenn die eigene Kraft
selbst sich lähmt
in den Gegensätzen des ja aber
und vor und zurück
für dich nicht mehr unterscheidbar sind
Und deine sonst trainierte Maschine
aufs deutlichste
zu stottern beginnt
Wenn die Erinnerungen hochkommen
und du dich dabei ertappst
damit die Zukunft zu berechnen
Und das hier und jetzt
der Kraftpunkt der Gegenwart
zu einem Brei
von warum und wieso
zerlegt wird
Wenn das Bild das du von dir hast
zu einer Karikatur verkommt
du zu deiner Vorstellung
von dir selbst nicht aufleben kannst
weil es schon an Kleinigkeiten scheitert
Und dein innerer Diamant
in vielen Kämpfen gestählt
sich fast in Rauch auflöst
Wenn deine Weltumarmung
zum Zittern einer Mimose wird
und dein innerer Seismograph
jeden luftigen Hauch des Lebens
jeden Tanzschritt des Reigens
in der Komödie des Pan
wie ein Erdbeben
ja ein Katastrophe
zu seinem Zentrum meldet
Wenn dein dir eigener Humor
zu einem täglichen Raunzen verkommt
und deine Emotionen erstarken
im Kampf gegen deinen Willen
die Oberhand gewinnen
Und du ihnen dabei zusiehst
wie sie die Fahne schwenken
die Flagge deines Seins
die sie dir aus den Händen entwunden
Dann gilt es zu handeln, irgendwie
doch mit aller Kraft anzunehmen
all das was noch übrig ist
Die Augen zu schärfen
das innere Ohr zu entschlacken
Gedanken und Gefühle zu ordnen
und das Vertrauen in dich selbst
aufs neue zu finden
Und einen Schritt zu tun
ganz egal wohin
In der Wiese
Ein lauer Sommertag
und eine Bank im Park
mitten in der Wiese
Ich sitze da selbstvergessen
mit dem Blick auf den Boden
und schaue staunend
in ein ganzes Universum